Ich gehe mit dem Hund meiner Schwiegermutter im Niddapark in Frankfurt spazieren. Ein Privileg – aber auch eine Herausforderung: wegen der Hunde der anderen. Pikachu, eine vier Jahre alte Mischung aus Schäferhund und Bordercollie, muss unter allen Umständen unversehrt bleiben.

Ich: Mädchen oder Junge?

Frau mit Hund: Mädchen.

Ich: Bei mir Junge.

Sie: Dann lassen Sie ihn ruhig los.

Eine Endvierzigerin. Beschnuppern. Auch bei den Hunden. Ihrer ist ein dicker Dackel.

Ich: Das ist der Hund meiner Schwiegermutter, also bin ich extravorsichtig.

Sie: Hmm.

Ich: Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn so gar nicht mit seinen Artgenossen kommunizieren lasse.

Sie: Hmm.

Ich: Also muss ich die ganze Zeit Ersatzhund spielen.

Sie: Hmm. Kein Problem. Die Lissy ist eine ganz Liebe.

Ich: Ein bisschen älter scheint sie zu sein, das Schnäuzchen ist schon leicht grau.

Sie: Ja, die Lissy ist schon neun, aber noch ganz verspielt und agil im Kopf.

Zu Lissy gebeugt, im Babyton:

Ich: Lissy, meine Schöne, bist du also noch ganz agil im Kopf?

Lissy freut sich, angesprochen zu sein. Will sich aber nicht streicheln lassen.

Sie: Lissy ist ein wenig zurückhaltend bei Fremden. Vielleicht auch ganz gut so. Dann nimmt sie nicht von jedem ein Leckerli an.

Ich: Weil die vergiftet sein könnten?

Sie: Ja.

Ich: Verstehe.

Sie: Das Seltsamste daran ist, dass diese Leute eigentlich den Besitzern an die Haut wollen und nicht den Hunden, die sie vergiften.

Ein anderer Tag. Pikachu sieht eine mittelgroße Pitbull-Dame und will zu ihr ausreißen.

Ich: Pikachu, nelsja!

(Übersetzt: Pikachu, du darfst nicht!)

Er ist ein russischsprachiger Hund, geboren in einem Vorort Moskaus.

Ich: Kennen die sich?

Junger Mann: Das ist doch Pikachu, oder?

Ich: Ja.

Mann: Dann lass ihn los, die kennen sich, seit sie Welpen waren.

Pikachu und die Pitbull-Dame wirbeln als losgelöster Freudeknäuel umher.