Haller erklärte, dass er der Gründer von HooNaRa sei. Schlägereien, sagte er, seien wie eine Extremsportart für ihn. Über sich sagte er: "Die Leute müssen wissen: Der macht keinen Spaß. Der holt mich noch drei Wochen später ab, auch von zu Hause, auch vom Nachtschrank. Ich bin nicht irgendein Wichser, den man anlachen kann. Wir gehören zur Stadt, wir gehören zum Verein."

Damals, nach Erscheinen des Textes, trennte der CFC sich offiziell von Haller als Security-Mann. Aber er blieb dem Verein eng verbunden. Und er mischte weiter im Club mit.

Es gibt viele Menschen in Chemnitz, die von Hallers Taten als Security-Unternehmer schwärmen. "Wer Haller engagierte, hatte Ruhe", sagt einer. "Er hat sein Leben lang dafür gearbeitet, die Stadt sicher zu bekommen", sagt ein anderer. Wäre Haller nicht gewesen, "dann hätte die Polizei große Probleme gehabt, die Stadt sicher zu kriegen".

Hallers Wissen über die Strukturen der Neonazi- und Hooligan-Szene soll "ein Qualitätsmerkmal" gewesen sein, auch im Stadion. Seine Vernetzung war andererseits aber auch so eng, dass die Polizei Hallers Kontaktdaten in den Handy-Adressbüchern mindestens eines NSU-Unterstützers fand. Ein Mann, dessen Organisation Haller in der Vergangenheit engagiert hat, behauptet, dass sich aus Hallers guter Vernetzung mit Rechtsradikalen auch Erpressungspotenzial ergeben habe. Nach dem Motto: Selbst schuld, wenn ihr Haller nicht bucht. Könnte schon sein, dass ihr dann Ärger kriegt. Haller Security war für Nachfragen zu diesen Themen für die ZEIT nicht erreichbar.

Hallers Sicherheitsfirma war gut gebucht. Und in der Vergangenheit für alle möglichen Chemnitzer Auftraggeber tätig, vom Zeitungsverlag bis zur Stadtverwaltung. Es wirkt, als sei Haller ein festes Mitglied der Chemnitzer Gesellschaft gewesen. Die Frage ist, ob das mehr über ihn sagt oder mehr über die Chemnitzer Gesellschaft. Denn wer der Frage nachgeht, wieso der Chemnitzer FC diesem Thomas Haller die Gedenkminute im Stadion ermöglicht hat, der erfährt, dass die Verantwortlichen sich im Vorfeld durchaus mit der Frage beschäftigt haben, ob solch eine Würdigung Hallers angemessen sei. Am Ende scheinen sie jedoch vor der Macht der Fans – einer vermeintlichen oder tatsächlichen – eingeknickt zu sein.

Der ZEIT liegt der Verlauf eines WhatsApp-Gruppenchats vor, dessen Authentizität von mehreren Seiten bestätigt wird. Die Gruppe wurde am Freitag, 8. März, am Todestag Hallers, von Thomas Uhlig gegründet, dem inzwischen zurückgetretenen kaufmännischen Geschäftsführer des CFC. Uhlig war in Personalunion auch "Veranstaltungsleiter", also für die Organisation der Heimspiele zuständig. Neben Uhlig waren unter anderem die Fanbeauftragte, der Sicherheitsbeauftragte, der Pressesprecher, der Marketingleiter und der Stadionsprecher Teil der WhatsApp-Gruppe.