Es gebe eine Anfrage für das morgige Spiel, schreibt Thomas Uhlig um 19.19 Uhr. Dann leitet er einen YouTube-Link zum Soundtrack des Films Gladiator weiter und den Text einer unbekannten Person: "Hallo persönliches Anliegen können wir morgen diesen Titel vorm Spiel abspielen? Mit Foto auf LED Wand". Der Geschäftsführer schreibt daraufhin: "Ich möchte diese Entscheidung nicht allein treffen, da es heute schon sehr unterschiedliche Auffassungen gab." Die Fanbeauftragte schreibt: "Sollte man drüber nachdenken." Der Sicherheitsbeauftragte schreibt: "Ich bin dafür. Wir finden eine Lösung für die Außendarstellung. Hoonara ist 20 Jahre her. Er hat sich seitdem mehr als stark gemacht für den Verein."

"Meine Zustimmung", antwortet die Fanbeauftragte, die auch Stadträtin der SPD ist.

Der Erste, der sich in der Gruppe gegen eine Würdigung ausspricht, ist Steffen Wunderlich, der Pressesprecher des CFC, erst seit wenigen Wochen im Amt. "Ich kannte diesen Mann nicht persönlich", schreibt Wunderlich. Was er aber "gehört und gelesen" habe über Thomas Haller – das widerspreche dem Engagement des Vereins für Toleranz. "Deshalb sollte man da ganz vorsichtig sein."

Es ist dann wiederum die Fanbeauftragte, die die Würdigung verteidigt – mit dem Hinweis, Thomas Haller sei ein guter Mensch gewesen. "Er hat sich unterschieden von denen, die alles und jeden hassen, der kein Nazi und Rassist ist. Nur wie erklärt man, dass er eben auch ein echt feiner Mensch war?" Sein Weg sei seit 15 Jahren "ein anderer" gewesen, nicht mehr der von früher. Der Sicherheitsbeauftragte verstärkt im Chat nun sein Plädoyer: "Wir sollten diese Art der Trauer zulassen. ... Er hat es sich einfach verdient. Jetzt sollten wir, falls Kritik kommt, diese aushalten können ... auch als Dank der letzten Jahre."

In der Chatgruppe setzt sich schließlich eine Meinung durch: Ein vom Verein gesteuertes Gedenken könne immerhin verhindern, dass radikal rechte Ultra-Gruppierungen ihr Beileid auf ihre Weise bekunden. Die Fanbeauftragte spricht von einem "Deal" mit der Fanszene. Thomas Uhlig fragt den Sicherheitsbeauftragten, ob, falls es eine Gedenkminute geben werde, "seitens der aktiven Fanszene garantiert" sei, dass "es nur diese eine Bekundung gibt und sonstige deplatzierte Sachverhalte nicht stattfinden". Der Sicherheitsbeauftragte schreibt: "Das haben wir gerade diskutiert." Er wolle jetzt "zu den Ultras und Co fahren und dies klären, dass es die einzige Aktion an diesem Spieltag bleibt. Wir können dies steuern." Die Gruppe verhandelt dann über den richtigen Zeitpunkt des Gedenkens, über den Text, den der Stadionsprecher verlesen soll, und irgendwann schreibt Thomas Uhlig: "Dieser oder kein Text wird es. Ist auch mit behördlichen Instanzen abgesprochen."

Die Polizei wird später behaupten, vom Plan des CFC erst kurz vor Spielbeginn erfahren zu haben.

Das Protokoll ist ein Zeugnis der Zerrissenheit der CFC-Verantwortlichen. Es scheint in Chemnitz keine politisch korrekte Antwort auf die Frage zu geben, wie man sich in einer solchen Situation am besten verhält. Die gefühlte Macht der Hooligan-Szene im Club ist immens, denn ihr Druck beeinflusst alle beteiligten Funktionäre in ihrem Denken.