Es war ein kurzer Boom, auf den Pleiten und Skandale folgten. Von 2007 an, unter dem Druck rasch sinkender Zinsen, kamen viele Mittelständler immer schlechter an Kredite. Sich Geld über Anleihen zu besorgen schien auf einmal sehr attraktiv. Schnell eröffneten neue Marktsegmente für Mittelstandsanleihen, an der Stuttgarter Börse etwa "BondM". "Mit dem Sog kamen damals viele Unternehmen an den Markt, die gar nicht anleihetauglich waren", sagt Konrad Bösl, Partner der auf Mittelstandsanleihen spezialisierten Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner aus München.

Die Ernüchterung ließ nur kurz auf sich warten. Ab 2014 fiel jeder vierte Bondemittent aus, unter teils dubiosen Umständen. Die Investoren verloren zwischen 2012 und 2017 mehr als 2,7 Milliarden Euro – 1,7 Milliarden Euro davon allein 2016 und 2017. Ihre erste Chance hatten Mittelstandsanleihen grandios vergeigt. "Wer an den Weihnachtsmann glaubt, sollte unbedingt in Mittelstandsanleihen investieren", hatte die Zeitschrift finance auf dem Höhepunkt der Krise kommentiert. "Den etwas reiferen Investoren kann man leider eigentlich nur noch zurufen: Take your money and run!"

Doch nun, man glaubt es kaum, kommt das Geld zurück: Der Markt für Anleihen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hat sich 2018 erholt. Mit 35 Emissionen und einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro erinnert er fast an Boomzeiten, auch wenn die Zahlen von 2013 – 54 Emissionen, 2,7 Milliarden Euro Volumen – noch weit entfernt sind. Und: Diesmal fehlt dem Boom der Hype. Das, so die Hoffnung, schützt vor einem erneuten großen Crash. "Die Banken sind heute strenger", sagt Bösl. Ein Beleg dafür: Die Anleiheausfälle gehen drastisch zurück, von 832 Millionen Euro 2017 auf 5,2 Millionen Euro 2018. So wenig wie nie auf diesem Markt, auch nicht zu seinen besten Zeiten.

Für die Anleger – größtenteils institutionelle Investoren – ein Grund zur Freude. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen sind durchschnittlich 5,1 Prozent Rendite für KMU-Anleihen eine gute Anlagealternative. Doch sie geben ihr Geld nicht jedem. "Chancen haben Unternehmen, die schon mal Anleihen erfolgreich aufgelegt und auch zurückgezahlt haben", sagt Bösl. Investoren wollen Ergebnisse sehen, Versprechen reichen nicht mehr.

Der Vedes AG etwa kam ihre Erfahrung auf dem Anleihemarkt zugute. Der Spielwarenhändler hat vergangenes Jahr eine Anleihe, die er 2017 platziert hatte, mithilfe der Quirin Privatbank erfolgreich von 20 auf 25 Millionen Euro erhöht. Das Geld soll in strategische Projekte investiert werden, etwa in eine stärkere Verzahnung des stationären Handels mit dem Online-Handel, berichtet Vorstandsvorsitzender Thomas Märtz. Das Unternehmen will seinen gut 700 Fachhändlern helfen, sich den stetig wachsenden Online-Markt zu erschließen.

Es ist bereits die dritte Anleihe, die das Unternehmen begeben hat. Strategie und auch Zahlen überzeugten die Investoren. Mit dem zusätzlichen Geld hat das Unternehmen seinen Großhandelsumsatz 2014 von 63 auf 140 Millionen Euro mehr als verdoppelt. "Wir sind nun mit weitem Abstand führend im deutschsprachigen Raum", sagt Märtz. Seite zweite Anleihe aus dem Jahr 2014 hatte Vedes vor der eigentlichen Frist bereits Ende 2017 zurückgezahlt, statt wie geplant 2019. Dank des vereinbarten Optionsrechts ging das. Das Geld für die Rückzahlung stammte aus der dritten Anleihe, der Rest floss in Investitionen. Den Zins senkte Vedes auf fünf Prozent – von 7,125 Prozent für die vorherige Anleihe. Ein guter Deal also für das Unternehmen. Und Märtz hat wieder eine vorfristige Tilgungsoption vereinbart. "Das eröffnet uns Handlungsspielräume", sagt er.