"Und das Bild war nicht einmal versichert!"

Nach manch spektakulärem Kunstraub ist dieser vorwurfsvolle Ausruf zu hören. Wie dumm könne ein öffentliches Museum nur sein, für seine millionenschweren Werke keine Police zu kaufen? Jetzt muss der Steuerzahler für den finanziellen Schaden aufkommen und nicht eine Versicherungsgesellschaft!

Doch so logisch diese Kritik zunächst klingt: Für staatlich betriebene Museen kann es wirtschaftlich viel vernünftiger sein, tatsächlich die Kosten einer Versicherung einzusparen. Das gilt sowohl für die Werke aus eigenen Beständen als auch für Leihgaben aus anderen Museen oder aus privaten Sammlungen. Die Museen müssen dann für eventuelle Schäden selbst aufkommen – aber nur im Prinzip.

Genauer betrachtet, verbleibt das Risiko nicht bei dem einzelnen Museum, sondern bei seinem jeweiligen Träger: Im Fall eines staatlich betriebenen Museums kann das der Bund, ein Bundesland oder in Einzelfällen eine Gemeinde sein. Wenn etwas passiert, zahlt die öffentliche Hand. "Staatshaftung" wird das in der Branche genannt.

"Bei Staatshaftung übernimmt der Museumsträger die Versicherungshaftung und erklärt, für bestimmte Schadensfälle aufzukommen", sagt Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums und Präsident des Deutschen Museumsbundes. "Für uns Museen ist das eine große finanzielle Entlastung."

Doch geht das nicht zulasten des Steuerzahlers? Im Prinzip schon, aber die öffentlichen Museumsträger agieren letztlich selbst nicht anders als eine kommerzielle Kunstversicherung wie Axa oder Mannheimer. Sie betreiben untereinander ein sogenanntes Risk-Pooling.

Gemeint ist damit, dass Risiken, die für Einzelne untragbar wären, zusammengefasst und damit auf viele Schultern verteilt werden. Also mit anderen Worten das Versicherungsprinzip.

Und die gelegentlichen Schlagzeilen hin oder her: In Wahrheit kommt es nur selten vor, dass ein sehr teures Werk beschädigt oder gar zerstört oder gestohlen wird. Wenn dieser Fall doch mal eintritt, entsteht ein Riesenverlust für denjenigen, dem das Bild gehört – oder der es ausstellt und damit für eine Entschädigungsleistung herangezogen wird.

Die öffentliche Hand kann es sich, ähnlich wie ein großer Versicherungskonzern, aber leisten, für solche Schäden aufzukommen. Sie ist ja für sehr viele Kunstwerke in vielen Museen verantwortlich – diese ergeben einen Pool. Von dessen Werken werden nur sehr wenige jemals beschädigt, zerstört oder gestohlen – das ist das Risiko.