Ist dieses Amerika mit dem Amtsantritt Donald Trumps für immer vergangen? Oder kann es irgendwann wiedererstehen? Das Amerika, das die Welt inspirierte, ja verzauberte. Das Amerika Barack Obamas.

Der Wunsch, dieses Amerika möge zurückkehren, stellt sich unweigerlich ein, wenn man das Buch von Ben Rhodes über die Ära Obama liest. Weil seine Schilderung so ehrlich ist, Zweifel zulässt, Fehler einräumt. Weil sie aber auch keinen Hehl macht aus dem Stolz des Autors, diesem Präsidenten dienen zu dürfen. Einem Präsidenten, der so oft das richtige Wort fand, die richtige Geste. Der beim Trauergottesdienst in einer Kirche von Charleston, in der neun Schwarze von einem weißen Rassisten erschossen worden waren, Amazing Grace anstimmte. Rhodes erzählt, wie er im Weißen Haus vor dem Fernseher saß und weinte.

Ben Rhodes hat den Weg Obamas begleitet, seitdem er im Mai 2007, damals 29 Jahre alt, zum Wahlkampfteam des demokratischen Hoffnungsträgers stieß. Er wurde Obamas Redenschreiber, war stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater für strategische Kommunikation. Wichtiger aber als Ämter und Titel war das, was Rhodes die "Gedankenverschmelzung" der beiden nennt: "Ich konnte vorhersehen, was er in einer bestimmten Frage sagen oder tun wollte, während er mir zutraute, für ihn zu sprechen." Diese Nähe zum Präsidenten verschaffte Rhodes Autorität. Und sie macht dieses Buch so authentisch, so lesenswert. Denn der Autor war ja fast immer dabei – im Oval Office, im Situation Room, in der Air Force One, selbst im Ferienquartier Obamas. Fast jeden Tag der acht Jahre währenden Präsidentschaft.

Amerikas erster schwarzer Präsident – der Weiße Rhodes brannte für den Idealisten, der es allen Anfeindungen zum Trotz ins höchste Amt gebracht hatte. Und er litt unter dem Hass, der Obama entgegenschlug, dem täglichen Rassismus, der Obstruktionspolitik der Republikaner im Kongress. Umso mehr beglückte ihn die Begeisterung, die dieser junge, optimistische Präsident rund um die Welt entfachte – so wie noch vor seiner Wahl an der Siegessäule in Berlin, wo 200.000 Deutsche Obama zujubelten. Benommen, "wie nach einem Rockkonzert", schreibt Rhodes, sei er danach im Strom der Menschen in sein Hotel zurückgegangen. Oder die große Rede an die muslimische Welt, die Obama unbedingt in den ersten hundert Tagen seiner Präsidentschaft halten wollte. Als er dann an der Universität Kairo sprach, riss der Präsident auch dort seine Zuhörer zu Beifallsstürmen hin.

Dann kamen die Rückschläge. Der Arabische Frühling mit seinem Freiheitsversprechen, das in neuer Repression, in Krieg und Bürgerkrieg endete. In Ägypten arrangierte sich die Regierung Obama mit dem Militär. In Libyen intervenierte sie auf Drängen der Europäer, verjagte zwar Gaddafi von der Macht, vermochte die sich ausbreitende Anarchie aber nicht zu stoppen.