DIE ZEIT: Sie als Österreicher dürfen jetzt mit der Frankfurter Eintracht die Ehre des deutschen Fußballs retten. Hatten Sie sich das so vorgestellt?

Adi Hütter: So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Nein, dass am Ende wir der Verein sind, der in den internationalen Wettbewerben von den deutschen Vereinen übrig bleibt – Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen ausgeschieden –, das konnte man sich nicht ausmalen. Nach dem schwierigen Start im Sommer habe ich auch nicht unbedingt erwartet, dass wir ins Viertelfinale der Europa League gelangen würden. Es macht uns stolz. Wenn wir also die deutsche Fahne hochhalten dürfen – warum dann nicht mit einem Österreicher? Mein Landsmann Bruno Pezzey wurde ja in den Achtzigerjahren als Spieler hier sogar eine Legende.

ZEIT: Als Sie im Sommer kamen, sagten Sie, es sei Ihr Traum gewesen, irgendwann mal in der Bundesliga zu arbeiten. Das klingt im Rückblick sehr tiefgestapelt. Ihr Team ist seit 13 Spielen unbesiegt, schon träumt mancher Bundesligaverein davon, mal mit Adi Hütter zusammenzuarbeiten.

Hütter: Na ja, für viele deutsche Trainer ist es doch auch ein Traum, in die Bundesliga zu kommen. Und mein Weg war besonders steinig. Ich musste fast 400 Pflichtspiele als Trainer absolvieren, bis ich hier arbeiten durfte. Aber so konnte ich auch viel Erfahrung mitbringen. Die hilft mir jetzt, in diesem Haifischbecken zu bestehen.

ZEIT: Zu Anfang Ihrer Trainerkarriere haben Sie sich einer Medienschulung unterzogen. Warum?

Hütter: Ein befreundeter Journalist hat mich darauf hingewiesen, dass ich relativ lange brauchte, um auf den Punkt zu kommen. Verstehen Sie, ich habe um den heißen Brei herumgesprochen, mit zu wenig Botschaften. Da habe ich mir externe Hilfe von einem Experten geholt, um im Bereich Medienarbeit professioneller zu werden. Ich bin ein empathisch denkender Mensch und kann mir vorstellen, wie Journalisten denken. Deswegen ist es besser, wenn man nicht so schwammig redet.

ZEIT: Und wie ist es vor der Mannschaft?

Hütter: Ich habe mich mal bei der Teambesprechung filmen lassen. Es hatte mich einfach interessiert. Bis dahin hatte ich immer gedacht, ich mache es gut. Dann sah ich das Video und stellte fest: Ich mache es nicht gut genug. Man kann sich nur weiterentwickeln, wenn man ständig reflektiert. Da versuche ich, professionell zu sein, und habe überhaupt kein Problem damit, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

ZEIT: Nach Ihrem wütenden Tritt gegen eine Plastikflasche im Hinspiel gegen Inter Mailand waren Sie im Rückspiel auf die Tribüne verbannt. So emotional kannten wir Sie gar nicht.

Hütter: Ja, da sind die Pferde mit mir durchgegangen. Hätte ich mir sparen können. Aber ich glaube, viele nehmen mir das gar nicht übel. So haben sie mal ein anderes Gesicht von mir gesehen.

ZEIT: Wie haben Sie sich dann in Mailand gefühlt als normaler Zuschauer?

Hütter: Ich habe mich wohlgefühlt auf der Tribüne, weil die Mannschaft einen tollen Fußballabend hingelegt hat. In keiner Phase hatte ich das Gefühl, dass sie in Bedrängnis kommt.

ZEIT: Andere Kollegen haben in einer solchen Lage versucht, verbotenerweise mit dem Stab auf der Bank zu kommunizieren, der gesperrte José Mourinho ließ sich angeblich sogar mal im Wäschewagen versteckt in die Mannschaftskabine fahren. Sie wirkten ganz entspannt.

Hütter: Natürlich war es ungewöhnlich, als wir aus dem Bus ausstiegen, die Mannschaft in die eine Richtung ging und ich in die andere. Aber ich hatte ein ruhiges Gefühl und großes Vertrauen in mein Trainerteam. Mit meinem Co-Trainer Christian Peintinger arbeite ich seit vier Jahren zusammen.