Wird es im Sommer heiß, dann sucht der Mensch den Schatten. Insbesondere unter Bäumen ist es dann angenehm kühl. Liegt das nur daran, dass Blätter die Sonnenstrahlen wie ein Sonnenschirm von uns fernhalten, oder gibt es einen zusätzlichen Kühleffekt?

Tatsächlich ist noch ein weiterer physikalischer Prozess im Spiel, die sogenannte Evapotranspiration. Um sich gegen die Hitze zu wehren, transportiert der Baum Wasser zu den Blättern. Dort verdunstet es, und diese Verdunstung benötigt Energie. Das kühlt nicht nur den Baum, sondern auch die Umgebung. Ein Baum schwitzt wie ein Mensch, nur in größerem Maßstab: Mehrere Hundert Liter Wasser kann er täglich in Form von Wasserdampf an die Umwelt abgeben. Ein Aufsatz in der Fachzeitschrift Global Environmental Change aus dem Jahr 2017 beziffert die Kühlleistung auf 70 Kilowattstunden pro 100 Liter Wasser. Anders gesagt: Ein einziger Baum kann so viel kühlen wie zehn Haushalts-Klimaanlagen.

Stellt man sich nun vor, dass auf einer großen Wiese zehn Klimaanlagen vor sich hin pusten, dann wäre ein Effekt wohl allenfalls spürbar, wenn man direkt davorsäße. Ein ganzes Wäldchen hingegen kann durchaus das Mikroklima verändern. In der konkreten Situation hängt das von der Luftzirkulation ab, aber in baumbestandenen Parks kann die Temperatur um fünf Grad niedriger liegen als in der Betonwüste drum herum. Bäume sind also gut fürs Klima – nicht nur weil sie CO₂ umwandeln, sondern auch weil sie bei Hitze die Umgebung kühlen.

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