Wer Angst vorm Altern hat, wer sich vor Falten und Furchen fürchtet, sollte Roberts Redfords neusten und vielleicht letzten Film Ein Gauner & Gentleman sehen. Denn der Mann, der seit unbegreiflichen 49 Jahren vor der Kamera steht, strahlt eine Lässigkeit aus, eine Lebendigkeit und innere Ruhe, die nicht nur ansteckend wirkt, sondern geradezu Transzendenz ausstrahlt. Robert Redford sagte jüngst in einem Interview mit dem New Yorker: Die Vorteile des Alterns, besonders als Schauspieler, lägen darin, dass sich die Kinozuschauer nicht mehr auf die optische Präsenz konzentrierten, sondern auf das Wesentliche, den Kern, die Geschichte, das Schauspiel selbst.

Das ist wahr und unwahr zugleich. Denn natürlich starrt man von Anbeginn des Films auf Robert Redfords Gesicht, mustert seine Augen, Wangen und Falten und wundert sich, wie sich dieser Mann eine so authentische Frische erhalten konnte. Redford wirkt nicht wie ein 82-Jähriger. Eher wie ein Jugendlicher, der in einen älteren Körper gefallen ist. Und genau darum geht es ja in seinem vermeintlich letzten Film: um nie enden wollende Lebenslust, um eine unstillbare Leidenschaft für die Kunst.

Die Komödie in der Regie von David Lowery spielt in den Achtzigerjahren in den USA, auch die Körnung und Kadrierung des Films simulieren einen "Eighties Look". Held ist der Bankräuber Forrest Tucker, den es tatsächlich gegeben hat und der es sich zur Aufgabe machte, den Beruf des Kriminellen mit größtmöglichem Charme auszuüben. Kein Stress, kein Druck, keine Eile sollten seine Banküberfälle überschatten. Robert Redford erfüllt diesen Anspruch mit einer geradezu einlullenden Galanterie. Ein übertölpelter Bankdirektor gesteht der Polizei nach einem Überfall verblüfft: "Er war so nett, ja sogar höflich." Wer kann so einem Verführer widerstehen?

Der Kreislauf der Endorphine

Doch das Besondere an dem Ganoven ist vor allem seine innere Motivation für die Verbrechen. Nicht um Gier oder Geld geht es hier, sondern um das Katz-und-Maus-Spiel an sich, um das Gefühl von Freiheit, Abenteuerlust und Nervenkitzel. Es ist der Kreislauf der Endorphine, der Tucker am Leben erhält. Und so wundert es nicht, dass der Gangster imstande ist, sich auf seine alternden Tage auch noch ganz neu zu verlieben: Er trifft auf die Witwe Jewel, gespielt von der 70-jährigen Sissy Spacek – die sich ebenso wie Redford ihre Jugendlichkeit und engelsgleiche Aura bis heute erhalten hat –, und verliebt sich in sie.

Das erste Date im Diner, die Annäherung im Auto, der Initiationskuss auf der Veranda – es sind die typischen Ingredienzien einer Liebesgeschichte, die deshalb so authentisch wirkt, weil sie einen sonderbaren Überraschungseffekt erzeugt: nämlich die Erkenntnis, dass man älteren Menschen auf der Leinwand beim Austausch von Zärtlichkeiten nur selten zuschauen darf. Die Liebe im Endstadium des Lebens muss im amerikanischen Kino noch aufgearbeitet werden. Hier ist ein schöner Schritt getan.

Keine Ganovengeschichte lebt ohne den Gegenspieler, den Cop, der sich auf die Spurensuche begibt. In diesem Fall wird er gespielt von Casey Affleck, der unter exakt umgekehrten Vorzeichen sein Leben fristet: Der Provinzpolizist würde gerne in seiner Arbeit einen tieferen Sinn erkennen, also die ewige Wiederkehr des Gleichen als schöne Routine betrachten, aber es gelingt ihm nicht. Nach jeder Verbrecherjagd entsteht das Gefühl, im Hamsterrad gefangen zu sein. Erst als der Polizist zufällig in einen von Tuckers Banküberfällen gerät und den flüchtigen Bankräuber dingfest machen will, erwachen in ihm ungeahnte Lebensgeister.

Die Jagd nach Tucker soll den Ganoven ins Gefängnis führen – und man glaubt, dass dieser genau dorthin zurückmöchte. 17-mal ist er schon gefasst worden. 17-mal ist ihm die Flucht gelungen. Tucker kann nicht anders, als immer wieder von der Gefangenschaft in die Freiheit zu wechseln. Als wäre die Dialektik seiner Kunst ein Pendeln zwischen den Polen. Man spürt, wie sehr Robert Redford diese Figur und ihre Dynamik liebt. Immer wieder hat er Outlaws gespielt. Und tatsächlich werden in dem Film retrospektive Aufnahmen aus seinen älteren Filmen gezeigt.

Redford bereut mittlerweile, dass er vorab angekündigt hat, sich nach diesem Film aus dem Schauspielgeschäft zurückzuziehen. Die Ankündigung habe die Aufmerksamkeit vom Film abgelenkt, das tue ihm leid. Dabei beschleicht den Zuschauer das Gefühl, dass es der Schauspieler mit dem Schlussmachen nicht wirklich ernst meinen kann. Wenn man ihm beim Spielen zusieht, bei dieser Leichtigkeit und dem Schmunzeln, diesem Ausdruck der Freiheit und Freude, kann man nicht anders, als den Abschied als Streich, als PR-Gag, als chuzpeartige Pointe zu interpretieren. Kino ohne Redford und Redford ohne Kino – geht das überhaupt? Es ist ja schließlich die Botschaft des Films, dass nur in der Kunst, in der entrückten Verdoppelung des Lebens, die Existenz erträglich erscheint. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Insofern sollte jeder, der bei Trost ist, ein überraschendes Comeback dieses unsterblichen Schauspielers nicht ganz ausschließen.