Was jeden Freitag in rund 150 deutschen Städten und Gemeinden, in Europa und auf der ganzen Welt geschieht, hat viele überrascht: Junge Menschen demonstrieren mit Leidenschaft für den Klimaschutz. Umfassender soll die Klimapolitik werden, am besten mit einem sofortigen Kohleausstieg. So wie "die Alten" es machten, könne es jedenfalls nicht weitergehen.

Oft war in den vergangenen Jahren zu lesen, die Jugend sei unpolitisch, fast schon desinteressiert. Mehr mit ihrem Instagram beschäftigt als mit gesellschaftlichem Engagement und Politik. Die "Fridays for Future"-Bewegung zeigt gerade ein anderes Bild dieser Generation: politisch und engagiert.

"Fridays for Future" © Foto: Andreas Pein/laif

Den Älteren fällt es anscheinend nicht leicht, damit umzugehen. Viele Reaktionen schwanken zwischen undifferenziertem und überschwänglichem Lob oder pauschaler Kritik. Wirklich ernst genommen werden die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Anliegen und in ihrem Tun mit beidem nicht.

Mich freut das politische Engagement. Wer die Schüler ernst nimmt, muss sie gleichzeitig fragen: Wie soll es konkret weitergehen? Was schlagt ihr vor, welche Folgen haben eure Vorschläge für wen – und wie gehen wir konkret mit diesen Folgen um? Und: Ist eine Demo zur Schulzeit der erfolgversprechende Weg? Gegen wen oder was streikt ihr? Wen setzt ihr mehr unter Druck: eure Lehrer, die Politiker, eure Eltern – oder euch selbst? Würde es eurem Anliegen nicht sogar mehr Nachdruck verleihen, nur nach der Schule zu demonstrieren?

Meine Erfahrung ist: Wer mithelfen will, etwas zu verändern, der ist dort am besten aufgehoben, wo konkret entschieden wird. Vor Ort, in Debatten und Projekten mit klarem Ziel, und in den Parteien. Als ich 1995 mit 15 Jahren in Ahaus-Ottenstein in die Junge Union eingetreten bin, habe ich Anerkennung dafür erfahren, dass sich jemand in meinem Alter engagiert. Ich habe Freunde und Bekannte geworben, wir Jungen wurden immer mehr. 1999 wurde ich in den Stadtrat gewählt.

Damals haben wir für ein offenes Jugendcafé in Ahaus und Nachtbusse am Wochenende zu den großen Discos und nach Münster gekämpft. Wir haben gespürt: Unsere kleine städtische Gemeinschaft bleibt nur interessant für junge Menschen, wenn diese für das Freizeitangebot oder auch die Party am Wochenende nicht immer weit fahren oder gar ganz wegziehen müssen. So etwas mag auf den ersten Blick nicht wie eine politische Großtat wirken. Doch in Wahrheit sind es genau diese vielen vermeintlich kleinen Taten und Entscheidungen, die unser Land und unser Zusammenleben am stärksten prägen. Genau dieses konkrete, alltägliche Handeln ist der Grund, warum unsere Gesellschaft funktioniert.

Als Abgeordneter mit Anfang 20 in ein Parlament mit überwiegend älteren Herren zu kommen war nicht immer ein Zuckerschlecken. Ja, es gibt auch Vorurteile gegenüber jungen Menschen. Die Parteien könnten besser darin sein, ihnen auf allen Ebenen den Einstieg zu erleichtern.

Aber nur wenn auch die Jüngeren im politischen Betrieb die Regel und nicht mehr die Ausnahme sind, kann sich das ändern. Deshalb rufe ich allen zu, die da freitags demonstrieren oder mit den Schülern sympathisieren: Ihr selbst könnt die Veränderung sein. Holt eure Freunde und Bekannten an Bord, bringt euch konkret ein – in der Schule, in eurem Dorf, eurer Stadt, in Projekten, in Vereinen, in Kirchen und, ja, auch in Parteien. Meine Entscheidung für die CDU hat viel mit den Menschen zu tun gehabt, die mich ermutigt und unterstützt haben bei meinem Engagement.

Als junger Mensch hat man in Parteien heute wahrscheinlich so gute Chancen wie nie. Allein schon, weil engagierter Nachwuchs an vielen Stellen fehlt. Wer jetzt mit 16 oder 20 eintritt, kann in zehn Jahren Abgeordneter oder Bürgermeister sein. Stellt euch vor, was ihr alles besser machen könnt. Diskutiert eure Anliegen, stellt sie und euch zur Wahl, sammelt Mehrheiten, setzt eure Ideen um!