Impfpflicht - »Besser gegen Masern impfen als Masern bekommen« Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet die Debatte über eine Impfpflicht gegen Masern. Kinderarzt Axel Gerschlauer erklärt die Vor- und Nachteile der Idee. © Foto: XinHua/dpa

Es gibt Forderungen, über die so viel geredet wurde, dass man nicht mehr an ihre Umsetzung glaubt. Nun aber scheint es so, dass eine tatsächlich durchgesetzt werden könnte – die nach der Impfpflicht gegen Masern. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat am vergangenen Wochenende dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, er habe darüber mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gesprochen. Er sei "zuversichtlich, dass wir demnächst einen entsprechenden Vorschlag vorlegen können".

Auch wenn es bislang nur Gespräche sind: Es könnte tatsächlich etwas dabei herauskommen – anders als in all den Jahren zuvor. Regelmäßig forderten Experten und Fachpolitiker (etwa der damalige CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn) bei jedem größeren Masern-Ausbruch eine Impfpflicht. Verschwand das Thema aber aus den Medien, schwand auch das politische Interesse an einer obligatorischen Immunisierung.

Wenn jetzt tatsächlich gehandelt würde, wäre das nicht nur eine gute Nachricht, sondern auch eine gute Botschaft.

Eine gute Nachricht, weil es mit einer hohen Impfquote endlich gelingen könnte, die Masern einzudämmen, ja vielleicht sogar aus Deutschland zu verdrängen. Bis dahin würde jeder Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch andere vor einer gefährlichen und noch immer unterschätzten Infektionskrankheit schützen. Ohne eine hinreichende Impfquote können sich die Masern sehr leicht verbreiten. Im schlimmsten Fall endet die Infektion tödlich.

Eine gute Botschaft wäre es, weil die Gesundheitspolitik damit Mut zeigte: Sie würde sich um ein wichtiges Problem kümmern, ohne groß Rücksicht auf impfkritische Wähler zu nehmen. Denn denen muss man dann sagen, dass ihr Kind nicht in die Schule gehen darf, wenn es nicht geimpft ist. Oder dass man ihnen das Kindergeld kürzt oder gar streicht. Solche Sanktionen wird es geben müssen, wenn eine Impfpflicht erfolgreich sein soll.

Gleichzeitig würde die Politik ein wichtiges Signal senden: Sie würde deutlich zeigen, dass sie wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut. Und dass sie sich Impfgegnern entgegenstellt, die ihre Pseudofakten nach Belieben konstruieren und Ängste schüren. Von diesen hartgesottenen Kritikern gibt es nicht allzu viele, ihr Einfluss auf zweifelnde Eltern aber ist groß.

Eine Impfpflicht könnte die Menschen auch gegen die Einflüsterungen dieser Leute immunisieren. Denn die Impfung dürfte für die meisten Eltern mit der Zeit zur Routine werden, zu etwas ganz Normalem, das zum Besuch beim Kinderarzt einfach dazugehört. Mögliche Nebenwirkungen und sehr seltene Komplikationen müssen dabei natürlich auch besprochen werden – wie es bei allen medizinischen Maßnahmen geschieht.

Dann wäre auch Schluss mit den vielen hitzigen Debatten. Diskussionen sind wichtig, aber bei diesem Thema sind sie seit Jahren überflüssig: Der Nutzen einer Masern-Impfung ist schon lange wissenschaftlich erwiesen.

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