1. Schriftliche Gebote

Einst bestimmten die Bieter im Saal das Auktionsgeschehen. Diese Zeiten sind vorbei: Die Zuschläge gehen immer häufiger an Ferngebote, die während einer Versteigerung live telefonisch oder online abgegeben werden. Damit wurde jedoch eine traditionelle Form nicht abgelöst: das schriftliche Gebot, das bereits vor der Auktion abgegeben wird. Ein solches Gebot ist für den Bieter wie den Auktionator unproblematisch, wenn es sich auf ein einziges Los in der Auktion beschränkt: Gibt es kein höheres Gebot, erhält der Bieter in Abwesenheit den Zuschlag – andernfalls geht er leer aus.

2. Das Maximal-Limit

Schwieriger wird es, wenn der Bieter an mehreren Objekten Interesse hat, die er sich alle zusammen aber nicht leisten könnte. Oder wenn sich im Katalog mehrere Werke gleicher Qualität finden, von denen er jedoch nur eines ersteigern will. Ein Ausweg bietet da das Maximal-Limit. Mit den schriftlichen Geboten nennt der Bieter zugleich eine Höchstsumme, die er in der Auktion maximal ausgeben möchte. Der Auktionator muss dann, wenn dieses Limit durch die Summe der bisherigen Zuschläge erreicht wurde, alle weiteren schriftlichen Gebote dieses Bieters stornieren.

3. Das Oder-Gebot

Eine kompliziertere Alternative zu dem Maximal-Limit ist das Oder-Gebot. Damit kann der Bieter seine Prioritäten festlegen, wenn er auf mehrere Werke bieten möchte. Wird das an erster Stelle präferierte Los überboten, wandert der Biet-Auftrag zum nächsten, zum übernächsten – und so weiter. Sobald aber ein Los dem Bieter zugeschlagen wird, dürfen die nachfolgenden Gebote nicht mehr berücksichtigt werden. Das erfordert vom Auktionator besondere Aufmerksamkeit. Deshalb räumen nicht alle Häuser ihren Kunden diese Möglichkeiten ein.

4. Die Rolle des Auktionators

Die schriftlichen Gebote zwingen den Versteigerer in eine ambivalente Position. Einerseits will er dem Einlieferer einen möglichst hohen Erlös bieten – damit steigt schließlich auch das Aufgeld, das beim Auktionshaus hängen bleibt. Andererseits darf er das schriftliche Gebot nicht ausreizen, sondern muss "interessenwahrend" für den Bieter den günstigsten Preis anstreben. Der Auktionator ist also als "ehrlicher Makler" gefordert.

5. Auswahl eines Sensals

Diesem Dilemma können sich zumindest die Versteigerer in Österreich mit einer inzwischen 300 Jahre alten Tradition entziehen: mit dem sogenannten Sensal. An der Börse und bei Versteigerungen ist der Sensal ein öffentlich bestellter und vereidigter Kursmakler. Also unabhängig: "Sensale sind keine Mitarbeiter des Auktionshauses, sondern treten als Beauftragte des Kaufinteressenten auf", heißt es etwa in den Versteigerungsbedingungen im Auktionshaus Im Kinsky. So ersparen die Sensale den Auktionatoren die Mühsal, Maximal-Limite wie Oder-Gebote koordinieren zu müssen.