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1 (- ) Siri Hustvedt: Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen
A. d. Engl. v. U. Aumüller u. G. Osterwald; Rowohlt; 528 S., 26,– €

Siri Hustvedt ist mehr als nur die Ehefrau von Paul Auster: Sie ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der USA. Ihr neues Buch ist eine Abrechnung mit dem männlichen Blick auf die Frau. Die Wahrnehmungspsychologin analysiert Bilder von Pablo Picasso oder Romane von Karl Ove Knausgård und erklärt in klugen Essays und neurobiologischen Analysen, woher der abschätzige Blick der Männer kommt. 77 Punkte

2 (-) Michel Serres: Was genau war früher besser? Ein optimistischer Wutanfall
A. d. Franz. v. Stefan Lorenzer; edition suhrkamp; 80 S., 12,– €

"Früher hingen wir nicht die ganze Zeit am Handy. Früher wussten wir noch, wo unser Essen herkam. Früher war alles besser." Der französische Philosoph Michel Serres kann die Litanei nicht mehr hören und drückt seine Wut in einem Essay aus. Es sind 80 dichte Seiten geworden – jeder Absatz eine Pointe. Dabei gelingt es ihm, mit scharfem Witz den Lesern die Nostalgie auszutreiben. 75 Punkte

3 (9) Kia Vahland: Leonardo da Vinci und die Frauen. Eine Künstlerbiographie
Insel; 348 S., 26,– €

Leonardo da Vincis wegweisende Ideen zu Naturgeschichte, Schöpfung und Kunst beziehen sich auf Formen und Vorstellungen der Weiblichkeit. Woher kommt diese Fixierung? Die Journalistin Kia Vahland befasst sich in ihrer Biografie mit dem Werk Leonardos und zeigt, warum seine Kunst als Meilenstein in der Emanzipationsgeschichte der Frauen gelesen werden muss. 52 Punkte



4 (6) Lisa Herzog: Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf
Hanser Berlin; 224 S., 22,– €

Die Formen der Arbeit verändern sich. Immer häufiger übernehmen Roboter einfache Aufgaben und ersetzen den Menschen. Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch und revolutioniert den Arbeitsmarkt. Die Philosophin Lisa Herzog zeigt Wege, wie sich die Gesellschaft auf den Wandel vorbereiten kann. Ihr Credo: Wir dürfen die Bedingungen der Arbeit nicht den Märkten überlassen. 51 Punkte

5 (1) Frank Biess: Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik
Rowohlt; 624 S., 22,– €

Ob in der Nachkriegszeit die Bedrohung eines nuklearen Krieges oder im 21. Jahrhundert die Furcht vor Terrorismus und Einwanderung – die Bundesrepublik hat sich schon immer als Angstnation definiert. Diese Hypothese belegt der kalifornische Geschichtsprofessor Frank Biess. Er erzählt die Geschichte der BRD als eine Geschichte kollektiver Ängste. Findet diese Ära bald ihr Ende? 45 Punkte



5 (-) Werner Plumpe: Das kalte Herz. Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution
Rowohlt Berlin; 800 S., 34,– €

Der Kapitalismus hat einen schlechten Ruf. Das System gilt als korrupt, verbrecherisch und gierig. Aber stimmt das überhaupt? Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe setzt dem Vorurteil eine Geschichte des Kapitalismus entgegen und zeigt in fünf großen Kapiteln, warum sich die viel geschmähte Marktwirtschaft immer wieder durchsetzt – und weshalb sie so gut funktioniert. 45 Punkte

7 (-) Ian Kershaw: Achterbahn. Europa 1950 bis heute
A. d. Engl. v. Klaus-Dieter Schmidt; DVA; 832 S., 38,– €

Die Entstehung des modernen Europas ist wie eine Achterbahnfahrt. Mit dieser Metapher erzählt der Historiker Ian Kershaw die Geschichte des Kontinents – von 1950 bis 2017. Nichts hat der Historiker ausgespart: weder die Unsicherheit nach dem Zweiten Weltkrieg noch die Terrorangst; weder die Jugoslawienkriege noch die Glaubenskrise in der Postmoderne. Ein kluges wie kenntnisreiches Buch. 40 Punkte



8 (2) Florian Meinel: Vertrauensfrage. Zur Krise des heutigen Parlamentarismus
C. H. Beck; 238 S., 16,95 €

Keine Institution wurde in Deutschland so oft totgesagt wie das Parlament. Populisten verabscheuen es und fordern mehr direkte Demokratie. Ist der Bundestag nur dazu da, dem Willen der Regierung zu gehorchen? Der Jurist Florian Meinel analysiert die Bedrohungen für den Parlamentarismus und liefert Vorschläge, wie er sich reformieren muss, um die Angriffe zu überstehen. 38 Punkte


9 (-) Harald Jähner: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955
Rowohlt Berlin; 401 S., 26,– €

Der ehemalige Feuilletonchef der "Berliner Zeitung" ist ein glänzender Stilist und ein präziser Chronist. In seinem aktuellen Buch porträtiert er eine unterbelichtete Epoche der Bundesrepublik: die Nachkriegszeit. Jähner zeichnet in kleinen Geschichten das Stimmungsbild einer Generation, die zerrissen ist zwischen Verdrängung und Wiederaufbau, Schuld und Optimismus, Sehnsucht und Trauer. 34 Punkte



10 (-) Michio Kaku: Abschied von der Erde. Die Zukunft der Menschheit
A. d. Engl. v. M. Niehaus u. B. Schuh; Rowohlt; 480 S., 25,– €

Die Zukunft der Menschheit liegt im Weltraum: Das glaubt der amerikanische Physiker Michio Kaku. Der 72-jährige Science-Fiction-Fan hat sich Gedanken darüber gemacht, wie die Menschheit die nächsten 100 Millionen Jahre überleben könnte. Das Ergebnis? Während andere den Untergang vorhersehen, bleibt er Optimist und prognostiziert einen Menschen, der sich die Sterne erobern wird. 30 Punkte