Februar 1980, ich bin sechs Jahre alt. Ich stehe neben meiner Mutter am Vereinsgelände des FC Bayern, meine rote Bayern-Sporttasche in der Hand. Hier findet heute ein Vorspielen für die Bambini-Mannschaft statt. Auf diesen Moment habe ich hingefiebert, seit wir vor fast drei Jahren nach München gezogen sind. Bälle, vor allem Fußbälle, haben mich magisch angezogen, solange ich denken kann. Seit wir in München leben, fokussiert sich meine Fußballbegeisterung auf den FC Bayern. Seit Jahren nerve ich meine Eltern mit dem Wunsch, bei den Bayern trainieren zu dürfen. Wir wohnen in Schwabing, rund eine Dreiviertelstunde Autofahrt von der Säbener Straße entfernt. Mein Vater arbeitete bei der Bundeswehr. Meine Mutter weigerte sich, mich für ein Fußballtraining durch die gesamte Stadt zu kutschieren, es gibt in der direkten Nachbarschaft einen anderen Fußballverein, FC Alte Haide, dort sollte ich trainieren. Aber ich habe mich geweigert – Bayern oder gar nichts.

Jetzt, nach beinahe drei Jahren, hat meine Mutter endlich nachgegeben. Wohl in der Hoffnung, dass ich nicht genommen werde und die Diskussion endlich aufhört. Als wir die Sporthalle betreten wollen, werden wir aufgehalten; wir seien nicht eingeladen, es denke wohl jeder, bei den Bayern mitspielen zu können, heißt es. Aus Mitleid mit meiner Mutter, die sich durch den Berufsverkehr gequält hat, lässt der Mann mich dann doch spielen. Als meine Mutter mich nach dem Training abholt – Eltern sind währenddessen unerwünscht –, kommt der Grantler hinter uns hergelaufen und sagt, wenn ich wolle, könne ich häufiger kommen. Danach habe ich 19 Jahre für den FC Bayern gespielt, als erster Spieler habe ich alle Jugendmannschaften bis zu den Profis durchlaufen, und seit 40 Jahren ist der Fußball ein zentraler Teil meines Lebens. Mit diesem ersten Trainingsspiel hat alles angefangen.

Neben meinem Elternhaus war der Fußballverein die wichtigste Erziehungsinstanz in meinem Leben. Vielleicht war das für mich besonders wichtig, weil mein Vater während der Woche nicht zu Hause war. Ich war als junger Mann ehrgeizig und jähzornig, meine Mutter musste mich häufig zur Contenance bringen, wenn ich zu Hause Türen eingetreten hatte. Das Fußballtraining hat mir geholfen, diese Energie in vernünftige Bahnen zu lenken. Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und trotzdem für die Mannschaft zu spielen. Es ging um Disziplin, Regeln und Konsequenz, darum, respektvoll mit Mitspielern, Gegnern und dem Schiedsrichter umzugehen. Lektionen, die auch jenseits des Fußballplatzes wichtig sind.

Damals habe ich auch einen ersten schweren Rückschlag erlebt. Ich war Jugend-Nationalspieler und bin vor dem wichtigsten Turnier meines Lebens, der U16-Europameisterschaft 1990 in der DDR, aus dem Kader gestrichen worden. Bis dahin war ich bei allen Länderspielen dabei, und im Jahr zuvor bin ich mit den Bayern deutscher Meister bei den B-Junioren geworden. Ich stand zunächst auf Abruf; als ich dann ausgeladen wurde, ist für mich eine Welt untergegangen. Zusammen mit meinem Vater bin ich privat nach Sömmerda gefahren, um mir die Spiele anzuschauen und die Mannschaft zu unterstützen.

Spiel bedeutete für mich immer auch Kampf. So, wie ich fast drei Jahre lang darum gekämpft habe, bei den Bayern spielen zu dürfen, war auch meine Karriere immer von Kampf bestimmt. Ich war als Fußballer nie der begnadete Spieler, auf dem Platz habe ich extrem von meiner Einsatzbereitschaft gezehrt. Das ist mir bei den Rückschlägen meiner Karriere, bei Abstieg oder Verletzungen, immer wieder zugutegekommen. Auch als Sportdirektor von Mönchengladbach: Vertragsverhandlungen oder Transferpoker sind wie Zweikämpfe neben dem Platz, die ich mit der gleichen Beharrlichkeit führe.