Das Verhältnis zwischen Museen und Mäzenen, traditionell eingespielt und bedeutsam vor allem in der angelsächsischen Welt, gerät unter moralischen Druck. Sowohl das Guggenheim in New York als auch die Tate Gallery in London haben vorige Woche beschlossen, fürderhin keine weiteren Zuwendungen von der amerikanischen Industriellenfamilie Sackler anzunehmen, die ihr Geld unter anderem mit dem berüchtigten Medikament OxyContin verdient, einem Opioid, das für eine verheerende Drogenkrise in den Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht wird. Auch die National Portrait Gallery in London hat eine jüngst angekündigte Millionenspende der Sacklers zurückgewiesen, das Metropolitan Museum und die Academy of Science in New York wollen die Zusammenarbeit mit der mäzenatischen Familienstiftung überdenken.

Das ist hochinteressant. Denn bisher galt die unausgesprochene Übereinkunft, dass sich die großen Vermögen, egal aus welchen zweifelhaften Ursprüngen oder Geschäften stammend, durch ihre mäzenatische Verwendung gewissermaßen reinigen ließen. Es war ein Tauschgeschäft, als Gegenleistung für die Spende verhießen die Museen (oder andere Kultureinrichtungen) kulturelle Reputation, wenn nicht sogar in den Augen der Öffentlichkeit eine Art moralischen Ablass für dubiose Profite.

Damit scheint es nunmehr vorbei zu sein; vor allem nachdem die genannten Institutionen in letzter Zeit mehrfach zu Schauplätzen von Massenprotesten gegen den für gewissenlos gehaltenen Pharmakonzern geworden sind. Das Verhältnis hat sich augenscheinlich gedreht – gerade in den Augen der Öffentlichkeit werden Mäzenatenvermögen nicht mehr durch kulturelles Engagement gereinigt, sondern die Kulturinstitutionen durch das Engagement anrüchiger Spender beschmutzt. Dies gilt offenbar auch rückwirkend; denn gerade die Fördertätigkeit der Sacklers bestand schon Jahrzehnte bevor das fragwürdige Opioid überhaupt auf den Markt kam.

Zukünftig könnte also für den Vertrag zwischen Mäzenen und Museen eine neue, ungemütliche Regel gelten: Der Mäzen geht mit seiner Spende die Verpflichtung ein, sich fortan jeder Geschäftstätigkeit zu enthalten, die den Ruf des geförderten Instituts beschädigen könnte. Eine solche moralische Zwangsbindung dürfte allerdings viele Unternehmer ins Grübeln bringen, ob der kulturelle Imagegewinn den möglichen Profitverzicht wirklich kompensieren kann. Aus der schönen Sponsorenformel Gewinn plus Image könnte das unschöne Entscheidungsdilemma werden: Gewinn oder Image? Und die Kulturinstitutionen ihrerseits könnten sich gezwungen fühlen, für jeden Unternehmer, der sich ihnen andient, eine hochnotpeinliche Charakterprognose zu stellen: Auf welche Abwege könnte er geraten? Wird man uns seine Geschäftsmodelle zur Last legen können? Gegenseitiges Vertrauen wird solchermaßen nicht gestärkt; aber das ist auch gut so.