Verstehen Sie Spaß? Oder sind Sie ein Spielverderber? PewDiePie versteht Spaß, denn das ist sein Geschäftsmodell. Felix Kjellberg, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist mit 91 Millionen Abonnenten der König der YouTuber, genauer gesagt: Er war es. Gerade eben hat ihn ein indischer Webvideo-Produzent überholt, obwohl PewDiePie mit allen Mitteln Quote machte, auch mit rechter Symbolik, just for fun und natürlich rein ironisch. Vor zwei Jahren stieß der 29-jährige Schwede im Netz auf zwei Spaßvögel, die sich anboten, für eine Handvoll Dollar selbst gemalte Plakate in die Kamera zu halten. Kjellberg fand das mega-nice und baute das Video in einen Clip ein. Als er das Ergebnis sah, hielt er sich erschrocken die Hand vor den Mund – ups, wie konnte das passieren? Die Männer mit dem Plakat verlangten: "Tod allen Juden".

Kjellberg ist kein Nazi, er ist ein Fachmann für das Recycling von Netzinhalten und ein typisches Internet-Subjekt – ein normativ entkernter junger Mann mit extrem biegsamem Charakter. Er angelt tagesaktuelle Ereignisse und Gaming-Themen aus dem digitalen Strom und reichert sie mit seinen Gags an. Alles nur Ironie, man will ja keinen Ärger.

Nun hat Kjellberg schon wieder Ärger. Kurz bevor Brenton Tarrant, der Attentäter von Christchurch, das Leben von fünfzig Menschen auslöschte, forderte er per Live-Chat seine Zuschauer auf: "Abonniert PewDiePie!" Meinte er das ironisch? Wollte er einen Streit um den YouTuber auslösen, damit sich die Gesellschaft weiter polarisiert? Auch Tarrants achtzig Seiten langes "Manifest" beginnt ironisch, und zwar mit einem Interview, das er mit sich selbst führt. Später heißt es: "Ich lernte das Töten beim Fortnite-Spielen." Nachsatz: "Nein."

Längst ist die Ironie der YouTuber von Rechten, Rechtsradikalen und Netz-Nazis gekapert worden, von Leuten, die das Wort "Ernst" aus dem Ernstfall ableiten. Doch warum ausgerechnet die Ironie, eine Sprechweise, die die Welt doch heller und humaner machen sollte? Die naheliegende Antwort lautet erst einmal: Ironie ist rhetorische Camouflage, sie tarnt den mörderischen Ernst. Im Schutz der ironischen Rede können Judenhasser, Muslimhasser, Frauenhasser ihre Abscheulichkeiten absondern, ohne dass man auf Anhieb erkennt, ob sie es ernst meinen. Und wer das ironische Spiel abstoßend findet, der beweist damit nur, dass er zur Ekelfraktion der Gutmenschen gehört, einer aussterbenden Spezies, die sich von "Moral" das Hirn hat vernebeln lassen und immer alles verbieten will.

Die rechte Ironie, das ist ihr Zweck, macht die Welt zum Witz und Menschen zu Sachen. Rechte Ironie dehumanisiert; ihre toxische Lauge soll moralische Maßstäbe zersetzen, vor allem jene, mit denen sich rechte Provokationen kritisieren lassen. "Verantwortung". "Respekt". Gutmenschenwörter. Irre lustig.

Der Philosoph Søren Kierkegaard hat die Ironie einmal als König ohne Land beschrieben: Sie sei immer auf einen bestehenden Sinn angewiesen, auf ein Etwas in der Welt, das sie ironisieren kann. Ironie ist parasitär und frisst sich am Ende selbst auf – wie eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Genau das ist das Ziel der Killer-Ironie. Sie soll von der Gegenwart nichts übrig lassen, sie soll sie kalt machen, bis sie vollkommen nichtswürdig erscheint – so wüst und leer, dass ein neues Bedürfnis nach Wahrheit und Ernst entsteht. Rechte Ironie ist aktiver Nihilismus und erzeugt genau jene Sinnleere, als deren Überwindung sich die mörderische Tat eines Brenton Tarrant ausgibt.

Zwanghaft, immer und immer wieder, wird das Wort Terror mit dem Islam in Verbindung gebracht, denn wer Muslim ist, gilt als gefährlicher Schläfer im Tagtraum des Westens. Dabei hat Tarrant bewiesen, wie einfach es ist, auch christliche Schwertverse zu fälschen, zu barbarisieren und in eine Kampfreligion zu verwandeln. Deren Credo lautet: Die Wiedergeburt der weißen Rasse führt über die Vernichtung ihrer Gegner.

Zu Recht ist nach dem Terroranschlag von Christchurch eine Kontroverse um Hassrede entbrannt, um die Verantwortung beim Sprachgebrauch, auch bei YouTubern wie PewDiePie. Doch niemand wird voraussagen können, wann aus Worten Taten werden, wann Menschen aus Parolen ("Umvolkung") mörderische Konsequenzen ziehen. Brenton Tarrant hat es getan, er verstand rechte Ironie als Terror im Konjunktiv. Nun gratulierte ihm die faschistische Internationale zum active shooting. Nur ironisch, versteht sich.