Wenn jemand, der in Brandenburg lebt, behauptet, er komme aus Berlin, fällt das in die Kategorie Notlüge. Wenn aber jemand, der in Berlin-Mitte wohnt, aller Welt vorgaukelt, sein Lebenszentrum sei Brandenburg an der Havel, dann fühlt sich dieser Jemand zwischen Kotzen (Havelland), Müllrose (Oder-Spree) und Ortrand (Lausitz) entweder wie ein Siehdichum (Oder-Spree) zwischen Reichenwalde (Oder-Spree) und Zeschdorf (Märkisch Oderland). Oder er hat schlicht nicht mehr alle Spargel in Beelitz (Potsdam-Mittelmark).

Bei Simon Vaut ist das anders. Der frühere Redenschreiber von Sigmar Gabriel wollte via Schmerzke, Hohenstücken und Brielower Ausbau nach Brüssel – und gab den verwurzelten Lokalpolitiker mit Wohnsitz in und Freundin aus der Region. Die SPD wählte ihn prompt auf Platz eins ihrer Landesliste für die Europawahl. Nun stellte sich raus, dass Vaut den Wohnsitz erfunden und ein "Ex-" vor der Freundin unterschlagen hat. Die SPD hat zwar jetzt den ersten eingebildeten Brandenburger der Neuzeit – aber auch einen "Super-GAU" (Bild- Zeitung). Wie heißt es in dem Lied von Rainald Grebe doch: Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist. Und es gibt – Brandenburg. Wie falsch ist das denn?