Um die Fragen nach dem großen K gleich zu klären: Nein, der Klimawandel hat den Zyklon Idai nicht verursacht, der in Mosambik eine der größten Katastrophen seit Jahrzehnten ausgelöst hat. Zyklone gehören zu den Wetterphänomenen dieser Region. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen.

Aber der Klimawandel hat die Folgen von Idai verschlimmert: Weil die Erde wärmer wird, schmilzt das Polareis, steigt der Meeresspiegel, werden bei Stürmen die Flutwellen höher. Auf bis zu sechs Meter türmten sie sich am 14. März auf, als Idai über die mosambikanische Hafenstadt Beira hereinbrach und landeinwärts zog. Weil die Erde wärmer wird, wächst auch die Regenmenge, die bei solchen Wetterlagen auf Städte, Dörfer, Äcker niedergeht. Flüsse treten über die Ufer, Dämme drohen zu brechen.

Die Folgen der Katastrophe werden erst jetzt sichtbar. Hunderte, womöglich über tausend Menschen sind ertrunken, mehrere Viertel in Beira, Mosambiks viertgrößter Stadt, sind zerstört, Hunderttausende obdachlos, Tausende immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Erste Cholera-Fälle wurden gemeldet, Teile der Ernte sind vernichtet. Die Nachbarländer Malawi und Simbabwe sind ebenfalls betroffen, aber nicht so schlimm wie Mosambik, wo nach einer ähnlich großen Flutkatastrophe im Jahr 2000 alles besser werden sollte.

Ist seither nichts passiert? Wurden keine Ufer befestigt, keine Frühwarnsysteme installiert? Doch. Mosambik hat in den vergangenen Jahren aufgeholt beim Zivilschutz. Nur war das eben lange nicht ausreichend.

Beira zeigt das deutlich: Der Hafenstadt blieb Schlimmeres erspart, weil ihr Zentrum in den vergangenen Jahren mit einer neuen Kanalisation und Rückhaltebecken ausgestattet worden war. Allerdings lebt ein großer Teil der 500.000 Einwohner rund um die Innenstadt in improvisierten Siedlungen mit baufälligen Häusern, ohne Straßen, Strom und Abwassersystem. Wie in ganz Afrika schreitet auch in Mosambik die Urbanisierung voran – meist unreguliert und ungeplant, oft getrieben durch Verelendung auf dem Land.

Der Friedensschluss, der 1992 den 15-jährigen Bürgerkrieg beendete, hat bislang gehalten, Brücken und Straßen sind instandgesetzt, Felder entmint worden. Öl- und Gasvorkommen haben Investoren angelockt, in Maputo glitzern Hochhäuser, an den langen Stränden stehen Hotelanlagen. An der Armut des Landes hat das wenig geändert. Nicht nur, aber auch weil die politischen Eliten den Staat immer wieder als Beutetier betrachtet haben. Von den Hilfsgeldern nach der Flutkatastrophe im Jahr 2000 blieb einiges in der Bürokratie in Maputo hängen.

Vom Zyklon Idai betroffene Gebiete

© ZEIT-Grafik

Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben immer noch von weniger als 1,90 Dollar am Tag, also in extremer Armut. Im Entwicklungsindex der UN steht Mosambik auf Platz 180 von 189 Ländern, auf der Liste der vom Klimawandel am stärksten bedrohten Länder Afrikas auf Platz drei. Mudanças climáticas, "Klimawandel" auf Portugiesisch – der Begriff gehört in Mosambik längst zum Alltag. Aufgrund der Erderwärmung sind die Regenzeiten unberechenbar, die Regenmengen sind immer geringer geworden. Mosambiks Landwirtschaft, größter Wirtschaftssektor des Landes, müsste längst um ein Vielfaches produktiver und profitabler sein. Stattdessen schlagen sich die Kleinbauern mit Ernteausfällen, Fluten und Dürren herum. Vor allem in lokalen Gemeinden sind die Menschen aktiv geworden. "Fridays for Future" ruft hier keiner, stattdessen üben Schüler die Evakuierung bei Hochwasser. Lokale Komitees organisieren Frühwarnsysteme, Bürgermeister lassen Mangrovenwälder anlegen, um die Erosion der Küsten aufzuhalten. Auch die Regierung in Maputo ist aktiver geworden, hat eine Behörde für Katastrophenschutz gegründet, die intervenieren kann. Aber eben nur bei kleineren Unwettern.

Seit einigen Tagen läuft die internationale Nothilfe für die Opfer von Idai auf Hochtouren, eine Heerschar von NGOs ist im Landeanflug. Die Frage bleibt, ob und wie viel Geld, wie viel politischer Wille in einigen Monaten noch vorhanden sein werden, um das Land besser vor dem nächsten großen Zyklon und vor den sich beschleunigenden Folgen des Klimawandels zu schützen. In der globalen Rangliste der Klimasünder liegt der Durchschnittsmosambikaner mit seinem winzigen CO₂-Fußabdruck ganz unten: auf Platz 177.