In vielen Teilen Deutschlands ist das Wasser "hart" – das heißt, es enthält besonders viele Kalzium- und Magnesiumionen, die auch im Kalk stecken. Verengt dieser Kalk die Adern und führt zum Herzinfarkt?

Das ist ein Missverständnis. Die "Arterienverkalkung", medizinisch Arteriosklerose oder besser Atherosklerose genannt, hat wenig mit den Kalkablagerungen in Wasserleitungen zu tun, die wir tatsächlich in Gegenden mit hartem Wasser oft beobachten können. Zwar konnten Forscher, die altägyptische Mumien untersuchten, schon 1852 in den Ablagerungen an den Blutgefäßwänden "Kalk" nachweisen. Wobei diese mit dem echten Kalk, dem Kalziumkarbonat, nichts zu tun haben – es handelt sich unter anderem um Kalziumphosphate. Im selben Jahr erkannte Rudolf Virchow außerdem, dass der "Kalk" nicht die Ursache, sondern nur eine Spätfolge dieses Prozesses ist. Zunächst lagern sich nämlich Fette an den Gefäßwänden ab. Das führt zu einer örtlichen Entzündung, es entstehen Plaques, das Gewebe verhärtet.

Das Kalzium und Magnesium, das wir mit dem Trinkwasser aufnehmen, fällt auch nicht als Kalk aus, der irgendwo hängen bleiben könnte – das passiert erst bei höheren Temperaturen, wie sie in Wasserkochern oder Heißwasserleitungen herrschen. Unser Körper braucht diese Mineralien, deshalb ist hartes Wasser eher gesund. Und wenn wir zu viel davon bekommen, scheiden wir es wieder aus.

Die Wurzel der Atherosklerose liegt nicht im Leitungswasser – es sind die bekannten Ursachen, die zu ihr führen: Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.

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