Manche Wörter sind Warnungen. Erlebnisgastronomie ist so ein Wort. Es bezeichnet Restaurants wie das mobile Dinner in the Sky aus Österreich. Per Kran werden bis zu 22 Gäste etwa 50 Meter in die Luft gehoben, 159 Euro kostet das Vier-Gänge-Menü. Man wird wie in einem Karussell festgeschnallt, sollte sich warm anziehen und vorher zur Toilette gehen.

Fernab der Küste, im Herzen von Rheinland-Pfalz, liegt das Unterwasserrestaurant La Mer. Statt ins Meer blickt man durch große Scheiben in ein Aquarium. Ein klarer Vorteil: Man speist in Gegenwart pittoresker bunter Fischlein und muss nicht fürchten, dass eine in Plastikabfällen verhedderte tote Babyschildkröte vorbeitreibt, was einem echt den Appetit verderben könnte.

Wer mag, speist 300 Meter tief in einem Bergwerksschacht im Sauerland, lässt sich im Hamburger Achterbahnrestaurant das Essen auf Schienen kommen oder genießt im Rüdesheimer Gefängniskeller das Spezialmenü "Henkersmahlzeit" (Knuspriger Schweinerücken, pikant marinierte Hähnchenteile, Pellkartoffeln) mit begleitenden Weinen.

Bei Erlebnisgastronomie ist eben nicht so sehr die Speise das Erlebnis, sondern die Umgebung. Es ist eine Unterhaltungsform, die nur in einer sehr satten Gesellschaft entstehen kann. In der man gutes Essen offenbar nicht mehr zu würdigen weiß, wenn dieses auf einem herkömmlichen Tisch dargeboten wird.

Aber so ist das wohl. Es gibt für alles einen Markt, und der Kunde hat immer recht. Vielleicht steckt darin eine Idee für Jochen Schweizer, der ja auch besondere Erlebnisse verkauft. Womöglich würden Menschen sogar dafür bezahlen, dass man sie für eine Woche nackt im Wald aussetzt und sie die Menüfolge selbst klären lässt. Jede Wette, dass dann sehr bald eine Konzentration auf das Wesentliche einsetzt. Was im Sinne einer gelegentlichen Erdung vielleicht erstrebenswert ist, mit Sicherheit aber ein echtes Erlebnis darstellt.