Wirken Hochschulen gut in die Gesellschaft hinein?

Wenn es einen Wettbewerb gäbe für den wichtigsten unbekannten Begriff an deutschen Hochschulen, einer rangierte vermutlich ganz weit oben: "Third Mission".

Unbekannt, weil außerhalb von Hochschulverwaltungen kaum jemand weiß, was "dritte Mission" eigentlich bedeuten soll.

Wichtig, weil kein Begriff besser beschreibt, wie sich Hochschulen unlängst verändert haben – neben ihre erste Mission (Forschung) und ihre zweite (Lehre) ist ein weiteres Großziel gerückt: in das Land hineinzuwirken, Wissen zu teilen, sich zu engagieren. Eine Mission, in der sich die Forderung erfüllt, dass Hochschulen nicht Elfenbeintürme in der Peripherie der Gesellschaft sein sollten, sondern Großverständigungsstätten in ihrem Zentrum.

Wie schwer sich die Hochschulen mit dem neuen Anspruch tun, zeigt die Studie Der Ort der Hochschule in der Gesellschaft; verfasst hat sie der Osloer Hochschulexperte Peter Maassen im Auftrag der Körber-Stiftung; sie wurde nach Redaktionsschluss vorgestellt, lag der ZEIT aber vorab vor.

Die Studie vergleicht, wie Hochschulen in Deutschland, England, Kanada, Südafrika, Japan und Chile ihre dritte Mission verfolgen. England kapriziert sich dabei auf den ökonomischen Nutzen der Hochschulen; in Japan folgt die Arbeit der Hochschulen starken Vorgaben des Bildungsministeriums und dessen politischer Agenda; in Deutschland sehen Hochschulen ihre dritte Mission breiter und definieren sie selbstständiger: Wirtschaft stärken, Zivilgesellschaft bereichern, Demokratie fördern und, wie es in der Studie heißt, "Lösungen für wichtige gesellschaftliche Herausforderungen" finden.

Doch wie gut gelingt den Hochschulen das? Man könne von den Hochschulen erwarten, schreibt Maassen, "dass sie der Gesellschaft aktiv vermitteln, welchen Wert und welche Relevanz ihre Beiträge auf dem Weg zu einer besseren Welt haben". Anders gesagt: Die Hochschulen machen das noch nicht gut; sie könnten "strategischer und professioneller" sein, "weniger allgemein und abstrakt" agieren sowie "die drei Missionen in ein neues Gleichgewicht bringen".

Kritisch sieht Maassen die deutschen Hochschulen. Zwar definierten sie ihre Mission sehr vielfältig, allerdings seien ihre Leitbilder "elaboriert und nicht sehr fokussiert", ihr Engagement für die Gesellschaft unstrategisch; es sei schlicht schwerer zu verstehen als anderswo, welche Rolle sich die Hochschulen für die Gesellschaft zudächten. Das habe auch mit der großen Autonomie deutscher Professoren zu tun.

Wie könnte sich das ändern? Maassen schlägt aktivere Hochschulleitungen, mehr Personal für Hochschulstrategie sowie innovative Studienprogramme vor.

Vielleicht könnten die sich ja auch einem Ziel widmen: aus dem unbekanntesten wichtigen Wort der Hochschulen ein bekanntes wichtiges Wort zu machen – und Studierende und Wissenschaftler strategisch an der "dritten Mission" zu beteiligen.