Da ansetzen, wo alle Hoffnung versagt: Die Papst-Kinderklinik Bambino Gesù kümmert sich besonders um Patienten, die von der herkömmlichen Medizin austherapiert wurden: In die Schlagzeilen geriet 2018 der 23 Monate alte Alfie Evans, dem der Papst hier eine Weiterbehandlung ermöglichen wollte, nachdem britische Ärzte das Kleinkind aufgegeben hatten. Trotz weltweiter Appelle und dem Einspruch der Eltern wurde in England die Verlegung nach Rom abgelehnt, die Geräte wurden abgeschaltet. Aus solchen Rückschlägen zieht die Klinikleiterin Mariella Enoc den Schluss, die Erforschung seltener Kinderkrankheiten umso vehementer voranzutreiben. Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur sagte sie: "Wir planen ein Institut für Tumoren und Transplantationen in Rom; die Arbeiten für ein Kinder-Palliativzentrum laufen, neue Räume für die Forschungseinrichtung müssen angemietet werden."

Darauf, dass dieses Hospital ziemlich einzigartig in Europa ist, scheint man in Rom nicht besonders stolz zu sein. Denn gäbe es davon mehr, stünde die resolute alte Dame, die von den jungen Patienten liebevoll "Nonna" genannt wird, nicht vor dem Problem, schon mal 200 Hilfesuchende am Tag versorgen zu müssen. Als Enoc die Klinik übernahm, war sie durch einen Spendenveruntreuungsskandal belastet. Das machte das Einwerben von Geldern nicht gerade leichter. Sie werden auch für kleine Patienten benötigt, die in ihren Heimatländern nicht adäquat behandelt werden können. Die Klinik gelangte 1924 als Schenkung in den Besitz des Heiligen Stuhls, wird aber nicht vom Vatikan finanziert, sondern vom italienischen Gesundheitssystem. Das erkennt nur eine Versorgungspflicht der eigenen Landeskinder an. Inzwischen bildet Bambino Gesù deshalb bevorzugt Ärzte aus ärmeren Ländern aus. In der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui gibt es bereits eine Zweigstelle unter Mariella Enocs verwalterischer Obhut. In diesen Tagen feiert die Klinik ihr 150-jähriges Bestehen. An Lobeshymnen vonseiten des Präsidenten und des Papstes mangelt es nicht.

Die Klinikleiterin betonte nach Informationen der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, dass rein materielle Zuwendungen nicht genügen, wenn die Seele Schaden nimmt: "Statt Spielzeug zu spenden", sagt sie, "ladet lieber die Familie unserer Patienten einmal zum Essen ein! Sie sind oft sehr einsam und brauchen Freundschaft und Austausch." So mancher wohlmeinende Gönner zeige sich ob solchem Klartext irritiert: "Dann schauen mich alle ganz verblüfft an, weil es ja viel schöner ist, ein Spielzeug vorbeizubringen und ein Kind zu streicheln, als vielleicht eine fremde Familie zum Essen einzuladen." So ist es im Bambino Gesù nicht nur die Forschung, sondern auch die Nächstenliebe, die immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden muss.

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