Branchenanalysen sind wichtig für Anleger. Was aber fangen Sammler oder Galeristen mit dem Art Basel UBS Report The Art Market 2019 oder dem Chinese Art Market Report 2019 der Maastricher Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf an, die beide jüngst erschienen sind?

Vor allem Bescheidenheit lässt sich daraus lernen: Mit 68,4 Milliarden US-Dollar, auf die der Bericht der Schweizer das Volumen des Kunstmarkts weltweit schätzt, setzt die gesamte Branche gerade einmal so viel um wie der Autohersteller Audi. Trotz Auktionszuschlägen in dreistelliger Millionenhöhe für einzelne Werke handelt es sich um eine Nische.

Auch die geografische Perspektive wird ins rechte Licht gerückt: Zwar haben Käufer aus Nah- und Fernost zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, aber trotzdem bleiben die USA mit 29,9 Milliarden US-Dollar und einem Anteil von 44 Prozent der größte Markt. Dahinter kommt Großbritannien mit knapp 14 Milliarden Dollar (21 Prozent), während China um drei Prozentpunkte auf 12,9 Milliarden Dollar schrumpfte und mit 19 Prozent Anteil am Weltmarkt nun den dritten Platz belegt. Kunsthandel und Galerien konnten mit 35,9 Milliarden US-Dollar um sieben Prozentpunkte zulegen, während Auktionshäuser auf 29,1 Milliarden und einen Zuwachs um drei Prozentpunkte kamen.

Noch einmal zum Thema Bescheidenheit: Keiner der von der Tefaf befragten Sammler hat vor, innerhalb der nächsten fünf Jahre weniger als 100.000 Dollar für Kunst auszugeben, aber 70 Prozent von ihnen planen Kunstkäufe jenseits von fünf Millionen Dollar. Die Studie weist darauf hin, dass es wohl noch einige Zeit dauern dürfte, bis die ab 1980 Geborenen einzelne Kunstwerke für mehr als zehn oder gar 100 Millionen Dollar kaufen.

Und jetzt schauen wir nach Deutschland. Der Anteil am Weltkunstmarkt der größten Volkswirtschaft Europas beläuft sich nach Einschätzung von Art Basel und UBS gerade einmal auf ein Prozent. Das ist ungefähr so viel, wie Spanien für sich beanspruchen kann – rund 650 Millionen Dollar. Diese Summe teilen sich die Auktionshäuser mit ihren oft achtstelligen Jahresumsätzen mit Galerien und Kunsthändlern. Allein in Berlin soll es rund 400 Galerien geben. Man braucht daher kein Mathematikgenie zu sein, um darauf zu kommen, dass die Eröffnung eines Spätis unter Umständen die bessere Geschäftsidee wäre.