Vier Landtagswahlen stehen 2019 an, außerdem die Europawahl – das politisiert auch die Unternehmer. "Made in Germany – Made by Vielfalt" lautet das Motto einer Kampagne, in der sich 50 Familienunternehmer für mehr Toleranz und Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Unter den Unterstützern sind namhafte Firmen wie der Konsumgüterhersteller Henkel, der Handelskonzern Otto und der Werkzeughersteller Würth; sie alle bekennen Farbe in einer Zeit, in der viele Menschen nach Orientierung suchen.

Das Engagement der Unternehmen ist lobenswert: Es nutzt der Gesellschaft, die mit Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen hat. Es zeigt, dass sich Unternehmer nicht aus ihrer Verantwortung für die Zukunft stehlen, auch wenn sie Widerspruch fürchten müssen, vielleicht Kunden verlieren. Und ihr Engagement nutzt der Wirtschaft, die unter dem Mangel an Fachkräften leidet und auf Zuwanderung angewiesen ist. Viele Mittelständler verkaufen ihre Produkte zudem in alle Welt: Ihnen würde es schaden, wenn Deutschland international als Land wahrgenommen würde, in dem Ausländer nicht willkommen sind.

Wo die 50 Unternehmen der Initiative "Made by Vielfalt" ansässig sind

© ZEIT-Grafik

Doch die Kampagne hat eine Schwäche: Alle 50 beteiligten Firmen haben ihren Stammsitz in den alten Bundesländern, aus den neuen ist kein Unternehmen beteiligt (siehe Karte). Das hat der Haushaltsproduktehersteller Vorwerk bestätigt, der Initiator der Aktion. Vorwerk erklärte auf Anfrage der ZEIT, dass die Idee zu der Kampagne von Timm Mittelsten Scheid stammt, einem der Vorwerk-Gesellschafter; er verfüge in München und in der Region um Wuppertal über Kontakte, also dort, wo er seinen Wohnsitz und Vorwerk den Firmensitz hat. Zudem seien im Osten "weniger große Familienunternehmen ansässig".

Das stimmt zwar, wie eine Studie der Stiftung Familienunternehmen aus 2017 zeigt. Danach befinden sich weniger als 20 der 500 größten Familienunternehmen im Osten Deutschlands. Doch die Größe einer Firma sollte wohl kaum entscheidend dafür sein, ob sie sich beteiligen kann – zumal unter den Unterstützern der Kampagne auch kleinere Firmen sind.

Besser wäre es gewesen, eine Kampagne, die bundesweit Wirkung entfachen will, auch bundesweit aufzuziehen. Im Osten finden drei der vier Landtagswahlen 2019 statt, die AfD hat es dort leichter als im Westen. Vor allem aber gibt es auch im Osten Unternehmer, die für Vielfalt und gegen Fremdenfeindlichkeit eintreten – so etwa die Mitglieder des Vereins "Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen". Es wäre ein Leichtes gewesen, im Osten der Republik Verbündete für die Initiative zu finden.

Dafür ist es leider zu spät. Es sei nicht mehr möglich, der Initiative beizutreten, heißt es bei Vorwerk. Die Plakate der Kampagne seien zwar in Leipzig und Berlin zu sehen, aber vor allem in den alten Bundesländern und dort auch in Städten wie Bielefeld und Lübeck. Eben dort, wo Unterstützer der Initiative sitzen – und nicht unbedingt da, wo die Probleme mit Fremdenfeindlichkeit am größten sind.

Auch das Magazin "ZEIT für Unternehmer" beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Thema Haltung. Interessenten können das Heft bestellen unter: unternehmer-magazin@zeit.de