Ein Dichter, welcher der Sprache misstraut. Ein Architekt, der erleichtert ist, nicht mehr Gebäude entwerfen zu müssen. Ein Architekturkritiker, der an den eigenen Sätzen zweifelt. "Je mehr man einen Gegenstand beschreibt, desto mehr verschwindet er", seufzte Friedrich Achleitner einmal in einem Gespräch, "so ein Objekt ist ja im Grunde genommen unbeschreibbar." Freilich sei das eine paradoxe Einsicht, aber so sei das eben mit der Sprache: "Die ist ein Ungeheuer – beschreiben darf man nur, was man nicht sieht."

Als Wortkünstler pflegte er das Vermächtnis des Avantgarde-Quintetts der Wiener Gruppe, dem der Innviertler Bauernsohn in den ersten Nachkriegsjahren angehörte. Er war ein Sprachartist, der paradoxe Vignetten und Mundartgedichte zur Meisterschaft brachte und überzeugt war, Sprache könne eine neue Wirklichkeit erschaffen, die allein aus Sprache besteht.

Sein Lebenswerk ist allerdings ein sprachlicher Marathon, das Ergebnis einer 45 Jahre langen Expedition, die ihn – mit Ausnahme von Niederösterreich– zu jedem erwähnenswerten Bauwerk in der Republik führte. Seine vierbändige Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert , ein penibler Bauatlas der Nation, findet nichts Vergleichbarers. Er ist das Resultat einer "Knochenarbeit", einer obsessiven Spurensuche nach architektonischer Qualität. Allerdings stellte der fröhliche Skeptiker von fast unzulässiger Bescheidenheit, mit den Jahren auch sein eigenes Urteil in Frage. Den Begriff der "Bausünde" – so hieß seine erste Kolumne – verbannte er schließlich ganz aus seinem Sprachschatz. Am Mittwoch vergangener Woche verstarb der um den eigenen Widerspruch bemühte Bau-Lehrer in Wien.