Als Paula Cooper 1968 ihre Galerie eröffnete, war noch nicht abzusehen, welchen Einfluss auf die Kunstszene sie einmal entfalten würde. Cooper entdeckte radikale Künstler wie Donald Judd oder Carl Andre, die heute längst Stars sind. Im Jahr 2011 schrieb der "New York Observer" über Cooper: "Die Geschichte der Paula Cooper Gallery ist in vielerlei Hinsicht die Geschichte der New Yorker Kunstwelt." Noch heute entdeckt sie neue Talente.

DIE ZEIT: Als Sie Ihre Galerie eröffneten, war die Welt eine andere. Sie erzählten einmal, dass die später weltberühmte Künstlerin Lynda Benglis nicht nur bei Ihnen ausstellte, sondern auch die Ausstellungsräume putzte ...

Paula Cooper: Die damalige Zeit war in der Tat eine besondere. Auch Musiker, Tänzer und Performancekünstler gehörten damals zum Kreis der Galerie. Man unterstützte sich gegenseitig, ich zum Beispiel hatte überhaupt kein Geld. Aber es gab ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Unsere erste Ausstellung war eine Veranstaltung gegen den Vietnamkrieg. Das hat uns verbunden.

ZEIT: Kann man diesen Geist wiederbeleben?

Cooper: Damals hat der Krieg uns alle beschäftigt. Heute passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass es schwierig ist, sich auf etwas Gemeinsames zu verständigen.

ZEIT: Sie haben aber auch gesagt, dass Sie als junge Frau von der Kunstwelt entmutigt wurden.

Cooper: Nachdem ich meine Galerie an der Prince Street eröffnete, musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich Sammlern gegenüber sehr überheblich war. Ich hielt sie für alberne Geldleute ohne Respekt vor der Kunst. Erst später sah ich ein, dass ich damit unrecht hatte.

ZEIT: Sie brauchten ja auch die Reichen, um Ihre Künstler erfolgreich zu machen. Wie gelang es Ihnen überhaupt, berühmtere und damit anspruchsvolle Künstler zu betreuen, da Sie doch nicht viel Geld hatten?

Cooper: Indem ich ihnen Ausstellungen widmete. Ich verfügte dafür über einen Raum, und glücklicherweise gab es Leute, die sich leidenschaftlich für Kunst engagierten. So gelang es mir, junge europäische Kuratoren nach Soho zu locken. Einer von ihnen wurde später Direktor des Centre Pompidou in Paris.

ZEIT: Mit einigen der Künstler waren Sie eng befreundet.

Cooper: Als ich anfing, waren die jüngeren – Lynda Benglis, Joel Shapiro, Jennifer Bartlett oder Elizabeth Murray – ungefähr in meinem Alter, einige hatten Kinder. Wir waren wie eine große Familie und feierten Thanksgiving zusammen. Ich hatte einen anderthalbjährigen Sohn und war schwanger, als ich die Galerie eröffnete. Rückblickend muss man wohl sagen: total wahnsinnig.

ZEIT: Man hat Sie tatsächlich für verrückt erklärt, als Sie 1968 nach Soho gingen. Damals hieß die Gegend noch "Hell’s Hundred Acres".

Cooper: Ich wollte meine Galerie genau dort haben, wo auch die Künstler wohnten, die mich interessierten.