Die leidenschaftlichsten Diskussionen auf Reisen führe ich nicht über etwaige Tagesziele, sondern darüber, ob es sinnvoll ist, Bücher mitzuschleppen. Und wie man sie richtig transportiert. Ich sage: Ja, es ist wichtig, echte Bücher dabeizuhaben, und außerdem, sie pfleglich zu behandeln. Für mich entscheidet auch die Lektüre darüber, ob eine Reise gut oder miserabel verläuft.

Privat reise ich mit bis zu zehn Büchern (für drei Wochen), und natürlich weiß ich: Ich werde nicht alle schaffen. Es geht um die Freiheit, entscheiden zu können, was ich als Nächstes lese. Ein kleines Bücherregal im Hotelzimmer, der Blick auf die Buchrücken am Morgen, ist für mich mehr Urlaub als Meerblick und Handtücher auf der Liege. Mit gelesenen Büchern verbinde ich Erlebtes. George Orwell in Myanmar lesen, Die drei ??? in Los Angeles oder Michel Houellebecq in Thailand. Bücher an Orte mitzunehmen, von denen sie handeln, gehört zu den schönsten Dingen, die ich mir vorstellen kann.

Eine Reise beginnt für mich in den heimischen Buchhandlungen, mit der Zusammenstellung einer lesbaren Playlist. Bestseller oder Debüt? Sachbuch oder Roman? Das alles zu entscheiden ist ein Abenteuer für sich.

Was ich über die Jahre gelernt habe: Der Urlaub eignet sich nicht, um Bücher anzugehen, die "endlich" mal bewältigt werden müssen. Ich habe Ulysses in sicher zwanzig Länder geschleppt, ohne eine Seite zu schaffen. Besser ist es, nach Gefühl zu entscheiden. Probieren Sie neue Genres, seien Sie mutig. Und bloß keine "Urlaubsschmöker" kaufen. Meine Eltern sind Buchhändler, sie erzählen oft von Kunden, die besonders dicke Bücher am Strand lesen wollen. Ein Fehler. Ein Urlaub bringt Abwechslung, also sollte auch die Reisebibliothek abwechslungsreich sein. Wer möchte zwei Wochen an einem Strand in Zypern mit der Wanderhure verbringen?

Lesen auf Reisen kann stressig sein, wenn man es nicht richtig macht. Einmal dachte ich, es sei eine gute Idee, zwei schwerblütige deutsche Romane einzupacken. Am Ende griff ich mir ein schimmeliges Taschenbuch aus der Hotelbücherei mit erotischen Kurzgeschichten aus den Siebzigern. Es war schrecklich.

Eingangs sagte ich, dass Bücher pfleglich behandelt werden müssen. Möglicherweise liegt das an meinen Buchhändler-Eltern. Rissige Schutzumschläge, Sand zwischen den Seiten – kann ich nicht akzeptieren. Allerdings sind Bücher großartige Orte für kleine Souvenirs: Blüten schöner Pflanzen, Rechnungen aus Restaurants oder auch Hoteltürschilder machen sich gut als Lesezeichen.

Der Profi-Leser wickelt sein aktives Buch (so nenne ich das, das ich gerade in Arbeit habe) in ein Geschirrhandtuch. So bleiben die Ecken heil, und es kann keine Sonnencreme darüber auslaufen. Die passiven Bücher kommen in kleine, gefütterte Schachteln, die in Outdoor-Geschäften erhältlich sind.

Sie werden sich fragen: Warum liest er nicht einfach E-Books? Die sind doch so praktisch. Genau deswegen. Lesen heißt, sich mit Büchern zu beschäftigen, den Worten ein Gewicht zu geben. Lesen auf Reisen heißt, vor fremden Regalen zu stehen, Lesezeichen zu improvisieren und manchmal eben ein Buch über Tausende Kilometer in seine geistige Heimat zu tragen. Das ist nicht praktisch, aber es macht aus einem Text einen Gefährten.