Eine Gruppenschau mit ausschließlich britischen Künstlern ist in Brexit-Zeiten ein Statement. Die Galerie Blain/Southern (Berlin, London) ruft zur Art Cologne das Label Young British Artists in Erinnerung, das in den 1990ern mit Namen wie Damien Hirst oder Tracey Emin für Furore sorgte. Dass sie es in Köln tut, darf man als Kompliment für eine Kunstmesse deuten, die vor gar nicht so langer Zeit zu einer Provinzveranstaltung zu verkümmern drohte.

Europäische Einigkeit demonstriert auch Giorgio Persano auf der 53. Ausgabe der Messe. Der Turiner platziert Arbeiten der Arte-povera-Künstler Michelangelo Pistoletto und Mario Merz neben Werken des niederländischen Konzeptkünstlers Jan Dibbets. Bei der Kölner Galerie Ammann hängen Arbeiten der Schweizer Fotografin Hélène Binet neben denen der 2016 verstorbenen Architektin Zaha Hadid.

Bei so viel länderübergreifenden Verneigungen könnte Daniel Hug, seit 2009 Direktor der ältesten Kunstmesse der Welt, eigentlich seinen Erfolg genießen. Doch der US-Amerikaner denkt auch in diesem Jahr nicht daran, Routine einkehren zu lassen. Vor zwei Jahren übernahm er kurzerhand die erstmals veranstaltete Art Berlin für die Kölner Messegesellschaft. Und auch das neue, Plaza genannte Zentrum der Art Cologne, in dem sich internationale Großgalerien wie David Zwirner, White Cube oder Hauser & Wirth in Szene setzen können, ließ sich zuletzt als Signal zum Wachstumskurs deuten.

Mit der jetzigen Kehrtwende hat deswegen wohl niemand gerechnet. Nicht nur die gewohnte Dreiteilung des Kölner Angebots auf separaten Etagen – unten die klassische Moderne, in der Mitte zeitgenössische Kunst und oben in der Halle ein Tummelplatz für junge Galerien – fällt diesmal weg. Auch die Zahl der Teilnehmer schrumpft von 210 im vergangenen Jahr auf 176. Und das in Zeiten, in denen etwa vor der Haustür mit der Art Düsseldorf, einer jungen Messe für zeitgenössische Kunst, gerade ernsthafte Konkurrenz heranwächst.

Während sich andere Veranstalter nach Möglichkeit vergrößern, scheut die Art Cologne nun also das Risiko und zieht der Jugend buchstäblich den Teppich unter den Füßen weg, indem sie auf das Obergeschoss verzichtet? Aber nein. "Durch die Verkleinerung der Messe konnten wir die jungen Galerien in die Halle mit den etablierten zeitgenössischen Galerien integrieren", erklärt Hug. Das bringe eine neue Dynamik in die Messe und mache das Angebot überschaubarer für die potenziellen Käufer.

Ob der Verlust eines eigenen Stockwerks dem Nachwuchs aber tatsächlich guttut und seine Platzierung zwischen den langjährigen Profis mehr Sichtbarkeit garantiert, muss sich noch erweisen. Fraglich ist auch, ob die Absage an die Expansion von Dauer sein wird. Schließlich springt Hug jetzt noch beim Sorgenkind der Kölner, der im Herbst stattfindenden Messe für Kunst, Design und Antiquitäten, der Cologne Fine Art, als Direktor ein. Eine Fusion der beiden Plattformen werde es allerdings nicht geben, erklärt Hug. Stattdessen wolle er ihre "jeweiligen Stärken herausarbeiten".