Um das Eigentum kreiste jedes Denken, das wissen will, welche Gesellschaft wünschenswert sei. Nur in der Gegenwart scheint die Frage vergessen. Als rühre man lieber nicht dran: Wer die Eigentumsfrage stellt, so die Befürchtung, der ist in Wahrheit auf Enteignung aus – wie jene, die heute den großstädtischen Wohnungsmarkt für alle zugänglich machen wollen, indem die größten Wohnungsgesellschaften enteignet werden. Die Eigentumsfrage zielt jedoch, seitdem der britische Arzt und Philosoph John Locke sie um 1680 im modernen Sinne zuerst stellte, im Gegenteil darauf, nicht nur den Grenzen des Eigentums gerecht zu werden, sondern vor allem seinem Freiheitsversprechen, seiner politischen Gestaltungskraft und integrierenden Macht. In den jüngsten Konflikten um das Eigentum an Energienetzwerken oder Urheberrechten, an persönlichen Daten oder natürlichen Ressourcen kehrt die alte Frage nun zurück.