Ich will absagen. Einem Verlag. Einem Traum. Der Verlag wollte ein Buch von mir. Ich wollte immer ein Buch schreiben. Mit Gedanken, die anregen. Mit Sätzen, notiert vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung und in die Stille der Nacht hinein. "Klingt nach einem ausgefeilten Plan", sagt meine Literaturagentin. "Und wenn ich scheitere?", frage ich. "Sachbuchecke geht immer", sagt die Agentin.

Mit geplanten Träumen kenne ich mich nicht aus.

Als mir der Buchvertrag vorgelegt wurde, war ich ein Mann, der viel träumte. Seither traten in mein Leben: ein Job, ein Mensch, ein Mini, Elternzeit, Teilzeit und Umzug. Nun bin ich ein Mann, der viel plant. Im Morgengrauen sortiere ich Apfelschnitze, in der Abenddämmerung sortiere ich Bauklötze, und in der Stille der Nacht sortiere ich mich und merke: Ich schaffe es nicht. "Verschieben geht immer", sagt die Agentin.

Verschieben ist Absagen für Menschen, die nicht erwachsen werden wollen.

Mein Kindheitstraum ging in die gleiche Klasse. Maria kam von weit her und lebte nebenan. Sie hatte dunkle Augen, dunklere Locken und viel Geduld. Seit ich nicht mehr an der Hand meiner Mutter zur Schule gehen wollte, holte sie mich morgens ab. Häufig musste sie warten. Manchmal meine Schnürsenkel binden. An Marias Hand wäre ich gerne zur Schule gegangen. Doch im Winter trug ich Handschuhe, im Sommer hatte ich Schwitzehände, und im Rest des Jahres klammerte ich mich an Regenschirme. Maria lehnte Regen ab. "Wo meine Familie herkommt, scheint die Sonne, und wenn ich groß bin, ziehen wir beide da hin", sagte Maria. "Wann sind wir groß?", fragte ich. "Nach den Sommerferien", sagte Maria. Ich nickte und träumte weiter. Dann waren die Sommerferien vorbei, und Maria sagte mir ab. Sie wartete jetzt auf Nils aus der Klasse über uns. "Er ist so erwachsen", sagte Maria.

Niemand war erwachsener als Tante Greta. Das erzählten sie mir schon in meiner Kindheit.

Als sie noch ein Teenager war, sagte Greta einer Revolution ab. Für Cary, der so filmreif aussah, wie er hieß, weshalb sich meine Tante in ihn verliebt hatte. "Unsterblich", wie sie murmelte, als sie mit Schlaftabletten vollgestopft auf dem Biedermeier-Esstisch lag. Die übrigen Möbel waren auf dem Weg in den Westen. Genauso wie das halbe ungarische Volk, in jenem Sommer 1956. Unsere Familie gehörte zur anderen Hälfte. Weil Cary in einer Kaserne saß und Tante Gretas Liebe zu ihm größer war als die zur Freiheit. Während ihr Magen ausgepumpt wurde, beendeten sowjetische Panzer die Revolution der Ungarn. Ein paar Monate später beendete eine durchreisende Amerikanerin Cary und Greta.

Cary starb in San Francisco. Greta lebte bis zuletzt in Budapest, in einer Wohnung, die so dunkel war, dass ich mich nur an den Geruch von Zigaretten und Aprikosenschnaps erinnere und an ihre Stimme, die nie bereute. "Wir hatten die besten Monate, die Menschen haben können."

In der Stille der Nacht stehe ich oft am Bett des Minis. Es liegt da und atmet leise. Mein Leben ist ein Traum. Das Buch ist fertig.