Er schickte mir Baccara-Rosen. Und ich schickte ihm irgendwann Geld. © Eva Revolver/Sepia für DIE ZEIT

Ich hatte mich in sein Lächeln verliebt. In dieses schöne Profilbild, auf dem er mit seinen grauen Haaren und strahlenden Augen wirklich zum Anbeißen aussah. Er schrieb, er heiße Uwe, sei Halbkanadier mit deutschen Wurzeln. Er schickte mir Baccara-Rosen. Und ich schickte ihm irgendwann Geld. Viel Geld.

"Uwe" und ich lernten uns auf einer Dating-Plattform kennen. Ich war frisch geschieden und sehnte mich nach einer neuen Liebe. Am Anfang war es so, wie es bei jeder Internetbekanntschaft ist: Man erzählt sich gegenseitig vom eigenen Alltag, von der Familie, vom Beruf. Er sagte, er sei Witwer, frisch von Kanada nach Osnabrück gezogen und im Exportgeschäft tätig. Sein Deutsch war schlecht, also schrieben wir auf Englisch.

Bald nannte er mich sweetheart und schickte mir Fotos: er im Fitnessstudio, er im Anzug, in Unterwäsche. Nachdem wir uns vier Wochen kannten, geschah die erste "Katastrophe". Er erzählte mir, er sei von Geschäftspartnern bestohlen worden und stehe nun kurz vor der Insolvenz. Wie kann ich dir helfen? "500 Euro wären meine Rettung." Da lieh ich ihm zum ersten Mal Geld.

Wir schrieben weiter. Jeden Tag, viele, viele Nachrichten. Er sagte, er habe sich verliebt, wolle mit mir eine Zukunft aufbauen. Aber er erzählte auch von immer neuen finanziellen Notlagen. Ware sei verschwunden, die er ersetzen müsse, hier ein Loch im Budget und da das nächste. Jedes Mal sagte er, es sei ihm unangenehm, mich um Geld zu bitten. Er klang beschämt. Im Laufe weniger Monate lieh ich ihm über 10.000 Euro. Dafür nahm ich sogar einen Kredit auf.

Ich war verliebt und wollte ihm glauben. Ich wäre nie darauf gekommen, dass er mich ausnutzt. Wir hatten mehrfach persönliche Treffen ausgemacht, die er jedes Mal kurzfristig absagte. Einmal hatte sein Sohn einen Unfall, dann wurde sein Flieger zu mir gestrichen, das nächste Mal musste er geschäftlich nach Übersee. Zwischen Nachrichten mit Liebesbekundungen und Zukunftsplänen fragte er immer wieder nach Geld.

Als ich ihm irgendwann sagte, ich könne ihm keines mehr geben, weil ich schlicht keines mehr hatte, setzte er mich unter Druck, flehte, weinte am Telefon. Dann brach ich den Kontakt ab.

Mit etwas Abstand wurde mir klar, dass es keinen Uwe aus Kanada gab. Ich war so wütend. Und ich schäme mich bis heute. Nicht mal meinem Sohn und meiner besten Freundin habe ich davon erzählt. Ich bin einer Selbsthilfegruppe beigetreten. Die Frauen dort verurteilen mich nicht, sie wissen, wie leicht man manipuliert werden kann.

Ich habe Anzeige erstattet und zahle jetzt Stück für Stück meinen Kredit zurück. Das Geld werde ich nie wiedersehen, das weiß ich. Eine Sache lasse ich mir allerdings nicht nehmen: Ich glaube weiter an die Liebe.

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