Eigentlich müsste das Blatt "Margot" heißen. Margot Käßmann schreibt nämlich alle Beiträge selbst. Sie schreibt über Lazarus, über ihre ergreifende Fernreise zu den Chatham Islands (langer Flug!), sie erklärt "kurz" Ostern. Sie empfiehlt auch Platten und Filme, konkret: Herbert Grönemeyers neues Album und den Freddie-Mercury-Film Bohemian Rhapsody. 16 Seiten Margot! Sie heißen aber Mitten im Leben, werden vom Herder Verlag herausgebracht und erscheinen jeden Monat. Also: 60 Euro im Jahr für 192 Seiten Margot im Jahr. Die erste, gerade erschienene Ausgabe sieht aus wie eine Mischung aus Pfarrbrief und Werbebroschüre, fühlt sich aber gut an, wie ein Outdoor-Magazin auf Werkdruckpapier. Käßmann begrüßt ihre Leser mit einem Editorial auf Seite 1: Es soll in dieser Ausgabe um Geschwister gehen. Das wäre ein prima Thema, gäbe es nicht diesen PR-Beigeschmack. Käßmanns neues Buch, ebenfalls im Herder Verlag erschienen, dreht sich um Geschwister in der Bibel. Die Eigenanzeige prangt auf Seite 7 des neuen Magazins. Hier herrscht eine gewisse Redundanz vor. Wahrscheinlich soll das Magazin eine derartige Lust auf das Thema machen, dass man das Buch gleich mitkauft, andererseits: Auf den Seiten 4 und 5 eruiert Käßmann das Verhältnis von Maria, Marta und Lazarus im Lukasevangelium. Wetten, dass im Geschwister-Buch ein ähnliches Kapitel vorkommt?

Abgesehen von solchen auffälligen Synergien besteht das Herzstück des ersten Magazins aus einem Gespräch zwischen Claudia Roth und Margot Käßmann. Der nicht namentlich genannte Interviewer geht kaffeekränzchenartig an die Sache heran, indem er die beiden erst mal ganz locker fragt: Woher kennen Sie beide sich? Das Gespräch wird aber von Antwort zu Antwort besser, und am Ende erfahren wir, wie Roth und Käßmann mit Hasskommentaren umgehen, die sie fast täglich erreichen. Antwort: Sie lassen vieles rechtlich verfolgen und wehren sich. Im nächsten Heft spricht Käßmann dann mit dem Chef der gleichnamigen Drogeriekette, Dirk Rossmann, über Gerechtigkeit. Wir sind gespannt.

Wer kann sich über dieses Magazin freuen? Auf jeden Fall Fans von Margot Käßmann, die sich fragten, was ihr Idol seit der Pensionierung auf Usedom wohl so treibt.