Ohne Innovation kein Fortschritt. Gäbe es nicht den unbändigen Drang der Erfinder, Neues zu schaffen – wir würden heute noch in Höhlen wohnen. Dabei gibt es in der Hierarchie der Innovationen verschiedene Stufen. Die höchste, edelste und reinste ist die der echten Neuerung. Wenn also etwas nie Dagewesenes aus dem Nichts erschaffen wird – das Rad zum Beispiel. Und dann gibt es noch die Kombinationsinnovation. Das ist ein eher zweitklassiger Schöpfungsakt, bei dem bereits vorhandenes Zeug nur neu zusammengesetzt wird. Wie etwa: Kaffee und Hosen.

Leser Horst B. wies mich auf den Modeversand Walbusch hin, der "Coffee Jeans" im Angebot hat. Die überaus naheliegende Pointe, dass Coffee to go nun eine "völlig neue Bedeutung" erhalte, ist bereits in der Artikelbeschreibung enthalten. Bei dem Produkt handelt es sich aber nicht um einen Unfall ("Mist, ich habe mir schon wieder Kaffee über die Hose gekippt!"), sondern um pure Absicht. Die Jeans ist nämlich aus einem Hochleistungsgarn gefertigt, in dem "mikroskopisch fein gemahlener Kaffeesatz" steckt. Vermutlich hat dieser die gleiche Konzentration wie ein Wirkstoff im Globuli, deklariert ist der Kaffeesatz jedenfalls nicht ("Material: 69 % Baumwolle, 29 % Polyamid, 2 % Elasthan"). Trotzdem soll er auf wundersame Weise gegen üble Gerüche wirken. Ein Effekt, der in früheren Innovationszyklen bereits Silberpartikeln zugeschrieben wurde, die eine Zeit lang ebenfalls gern in Textilien vernäht wurden.

Denkbare Folgeinnovationen sind Kaffeehosen in den Sorten Americano, Espresso doppio, Cappuccino, Latte macchiato und Flat White sowie auf Wunsch handgeröstet und fair gehandelt (Achtung: gilt nur für den Kaffee-, nicht für den Jeansanteil!). Co-Branding mit Starbucks oder Dallmayr auf Anfrage. Die Coffee-Jeans sei waschbar, heißt es. Verwenden Sie aber kein Waschmittel, das hartnäckige Kaffeeflecken zuverlässig entfernt.