Man ist so jung, wie man sich stylt. Nach diesem Motto scheint sie zu leben, nicht erst, seit sie ständig in der Öffentlichkeit steht. Mit ihrem modischen Stil hat sie, wie zu lesen war, "das Verfallsdatum der Frau verlängert" – wobei man sich schon fragen kann, was für ein Frauen- oder Weltbild eigentlich hinter solch einer Formulierung steckt. Ungeachtet dessen macht sie ihre Sache gut und gilt inzwischen als Stilikone. Dabei hat sie mehr zu bieten als äußere Vorzüge, und ihr Mann wird nicht müde, sie dafür zu bewundern. "Die Dinge entwickelten sich kaum wahrnehmbar, auch dass ich mich in sie verliebte. Dies geschah durch geistige Nähe, die auch zu emotionaler Nähe wurde" – so beschrieb er mal die Anfänge ihrer Liebe. Er sei sicher, dass er ohne sie nie dorthin gekommen wäre, wo er heute steht.

Bevor sie mit ihm glücklich und danach quasi über Nacht berühmt wurde, führte sie ein anderes Leben: als jüngste Tochter in einer ehrwürdigen Unternehmerdynastie, als Gattin eines Finanzexperten und Mutter in einer fünfköpfigen Familie, als Philosophin und Lehrende. Aber ebendas entpuppt sich nun als Problem; Herkunft und Lebensart des Paares empfinden einige Leute als störend und unpassend – die feinen Unterschiede, wie ein Soziologe und Landsmann der zwei es mal formuliert hat, geben zunehmend Anlass zu Kritik. Das hat zwar durchaus Tradition, läuft aber derzeit hier und da etwas aus dem Ruder. Und böse Zungen behaupten sogar neuerdings, sie habe die Hosen an, auch wenn sie gern Bein zeigt. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 15:

Else von Richthofen (1874–1973) war die ältere Schwester Friedas, die mit D. H. Lawrence durchbrannte. Sie promovierte bei Max Weber, war eng befreundet mit seiner Ehefrau Marianne, heiratete Edgar Jaffé, gehörte in München zum Kreis um Stefan George, bekam einen Sohn von dem Psychoanalytiker Otto Gross und lebte später mit Alfred Weber in Heidelberg