Das passt so gar nicht zu dem Bild, das in der deutschen Öffentlichkeit lange vorherrschte. In den USA erhoben die Behörden schon vor einem Jahr Klage auch gegen Winterkorn persönlich, die Strafzahlungen des Konzerns summierten sich auf weit über 20 Milliarden Dollar Strafe. Hierzulande steht immerhin seit dem vergangenen Jahr fest, dass der Dieselbetrug kein Bagatelldelikt ist.

Am Unschuldsmantra des Daimler-Chefs gibt es neue Zweifel

Im Juni 2018 verhängte die Staatsanwaltschaft Braunschweig ein Bußgeld in Höhe von einer Milliarde Euro gegen Volkswagen, weil man die Aufsichtspflicht verletzt habe. Im Oktober legte die Staatsanwaltschaft München II nach. Und verdonnerte Audi wegen gleichlautender Vorwürfe zu 800 Millionen Euro Bußgeld.

Da saß Audi-Chef Rupert Stadler bereits in Untersuchungshaft. Auch ihm und weiteren Audi-Managern droht nun bald der Prozess. Selbst der amtierende VW-Chef Herbert Diess könnte noch angeklagt werden. Darüber wird wiederum die Staatsanwaltschaft Braunschweig bald befinden. Diess beteuert seine Unschuld.

Die Dieselthematik ist somit längst mehr als ein technisches Problem. Deutschlands Automanager können sie nicht hinter sich lassen, selbst wenn sie wieder und wieder bekräftigen, nie gegen Regeln verstoßen zu haben.

So zumindest lautet das vom scheidenden Daimler-Chef Dieter Zetsche ausgegebene Mantra: "Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert." Neue Zweifel an dieser Aussage nährt ein Anhörungsschreiben des Kraftfahrtbundesamtes gegen Daimler, das der ZEIT vorliegt.

Darin wird Daimler eine klare Verletzung der bestehenden Rechtslage vorgeworfen. Statt 125 Milligramm NOx je Kilometer im Labor blies der fragliche Geländewagen von Mercedes in einer Testfahrt mehr als zehnmal so viel in die Luft – über 1.330 Milligramm je Kilometer. Ein Grund für die Abweichung: Das Auto erkenne den Testbetrieb und senke die Kühlmitteltemperatur von 100 auf 70 Grad Celsius. Der künstlich kälter gehaltene Kühlmittelkreislauf "verzögert die Aufwärmung des Motoröls und damit das Abschalten der unkorrigierten" Abgasrückführung. Bis Ende des Monats kann Daimler sich zu den Vorwürfen äußern. Das Unternehmen beteuert nach wie vor, nichts Verbotenes getan zu haben. Die Umrüstung von Hunderttausenden Autos sei freiwillig erfolgt.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt hingegen seit bald zwei Jahren wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung und hat ebenfalls ein Bußgeldverfahren eingeleitet.