Verspätungen

"Wir fahren bei jedem Wetter" lautete einst ein Werbeslogan der Deutschen Bahn (DB). Darüber kann man heute nur noch müde lächeln. Ein bisschen Schnee, und alles steht still. Ein Ast auf den Schienen, und schon wird ein ganzer ICE evakuiert. Entsprechend schlecht schneidet die DB bei der Pünktlichkeit ab. Sie macht im Drei-Länder-Vergleich das Schlusslicht. Im Jahr 2018 waren laut eigenen Angaben im Nahverkehr 94 Prozent der DB-Züge pünktlich, bei den ÖBB waren es 96 Prozent und bei den SBB 97 Prozent. Pünktlich heißt in Deutschland übrigens mit weniger als sechs Minuten Verspätung ankommen, in der Schweiz und in Österreich mit weniger als fünf Minuten. Und im Fernverkehr müsste die DB nun wirklich einen Zacken zulegen: Jeder vierte Zug war unpünktlich.

Investitionen

Jedes Kind weiß, dass die Schweiz ein Bahnland ist. Aber dass uns die Bahn derart teuer ist, erstaunt dann doch: Im Jahr 2017 ließen die Schweizer fünfmal mehr springen als die Deutschen! Während die Schweiz pro Kopf und Jahr 362 Euro für die Bahn ausgab, waren es in Deutschland magere 69 Euro – in Österreich immerhin etwas mehr als doppelt so viel: nämlich 187 Euro.

Service

Die SBB machten zu wenig für den Komfort, findet Edwin Dutler, Vorstandsmitglied von Pro Bahn. Der Mann fährt jährlich 100.000 Zugkilometer durch Europa, er muss es also wissen. Insbesondere der ersten Klasse gibt er die Note "ungenügend": "Für diesen Preis dürfte man ein Filet erwarten, kriegt aber eine Wurst." Bei der DB und den ÖBB hingegen sei der Kunde noch König: In Deutschland kauft man sein Ticket am Erste-Klasse-Schalter, ohne anzustehen, kriegt, wie auch in den Zügen in Österreich, sein Essen mitsamt Zeitung an den Platz serviert und kann fürs Mittagsschläfchen den Sitz in die Liegeposition stellen. Kurzum: der Service in Deutschland und Österreich ist grundsätzlich besser. Kein Wunder, bei DB und ÖBB gibt es deutlich mehr Zugpersonal als bei den SBB. Dafür sind die Sitze in den nicht mehr ganz neuen Schweizer Eurocity-Wagen unschlagbar bequem – und haben Steckdosen, in die deutsche und Schweizer Netzkabel passen.

Preis

Vorteilscard Classic oder 66? Bahncard, Halbtax oder Seven25? Wer behält bei diesen Rabatt-Angeboten noch den Überblick? Ein Preisvergleich ist damit kaum möglich. Deshalb die Frage: Wie viel kostet ein Ticket ohne Vergünstigungskarte für die zweite Klasse, eine Woche im Voraus gelöst, am Reisetag 18. April? Die Strecken sind ungefähr gleich lang.

Zürich–Genf kostet zwischen 14,70 und 39 Euro. Berlin–Hamburg: zwischen 19,90 und 83 Euro. Wien–Salzburg: zwischen 24,90 und 55,60 Euro.

Fazit: Wer günstig mit der Bahn reisen will, der braucht kein bestimmtes Land zu meiden, auch nicht die vermeintlich hyperteure Schweiz. Da und dort lohnt es sich aber außerhalb der Pendler- oder Ferienzeiten zu fahren. Dann ist die Nachfrage groß und das Schnäppchen-Kontingent schnell weg.

WLAN

Etwas Wettbewerb tut auch der Eisenbahn gut. In Österreich war es die private Westbahn, die 2011 das Internet in die Züge brachte. Die ÖBB zogen nach, doch gerade zu Beginn wollte es nicht so recht klappen: Langsame und instabile Verbindungen brachten die Bahnfahrer an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. "Es ist leichter, im Spaceshuttle WLAN bereitzustellen als im Railjet", sagte der ÖBB-Chef und spätere Bundeskanzler Christian Kern. Mittlerweile funktionieren die Verbindungen besser, auf Hauptrouten lassen sich sogar Filme streamen, neue Regionalzüge sind ebenfalls online, und in vielen Bahnhöfen gibt es auch WLAN – alles kostenlos.

Die Deutsche Bahn hat im Januar 2017 mit dem Slogan "WIFIonICE" das kostenlose WLAN in ihrer ersten und zweiten Klasse eingeführt. Die Verbindungen sind nicht auf allen Strecken gleich gut.

Und in der Schweiz? Da hat das WLAN-Zeitalter noch nicht begonnen. Und wird es vielleicht auch gar nie. Die SBB setzen auf Signalverstärker in den Zügen, die angeblich guten Empfang gewährleisten. Die Kunden sehen das zum Teil anders.