Warum halten Menschen Haustiere? Eine Katze zum Beispiel? Oder einen Hund? Die Gründe sind wohl höchst individuell. Aber wann immer ein Artikel über Haustiere erscheint oder eine Sendung dazu im Radio oder im Fernsehen läuft, heißt es unweigerlich: Mit einem Hund bewege man sich regelmäßig an der frischen Luft. Und eine schnurrende Katze auf dem Schoß sei so friedlich. Tiere wirken auf Menschen also entspannend.

Die große Frage ist, ob das umgekehrt genauso gilt. Zweifel wirft eine weitere Fernsehsendung auf, die Gründershow Die Höhle der Löwen nämlich (obwohl Löwen keine Haustiere sind). Dort wurde mal ein "Relaxopet Tierentspannungs-System" vorgestellt, das ich jetzt bei Karstadt im Angebot sah. Dabei handelt es sich um eine Art Dose, die "Entspannungsklänge für alle Hunde und Katzen" aussendet und mit bis zu 14 Stunden Akkulaufzeit eine echte Dauerbeschallung ermöglicht.

Dass sich mit Haustier-Zubehör viel Geld machen lässt, wusste der Mensch zwar schon immer (Mops-Tragetaschen von Louis Vuitton!). Hier sollte man allerdings fragen, ob es nicht besser wäre, seinem Haustier einfach ein möglichst tiergerechtes Dasein zu ermöglichen, statt die ansonsten auftretenden Probleme mit Entspannungsklängen lösen zu wollen. Als Mensch kann ich Ihnen sagen, dass mir 14 Stunden Entspannungsmusik extrem auf die Nerven gehen würden, aber immerhin könnte ich die Anlage noch ausschalten. In Guantánamo haben Sie Dauermusik als Foltermethode verwendet, aber das war ja auch Heavy Metal und ist irgendwie etwas anderes.

Hoffentlich hat der Hersteller von Relaxopet nicht recht. Das hieße nämlich, dass das Zusammenleben mit Menschen bei Haustieren einen behandlungsbedürftigen Stresslevel erzeugt. Dann wäre die private Tierhaltung hochgradig egoistisch. Vielleicht diskutieren Sie das mal mit Ihrem Kanarienvogel. Er kann Ihnen vermutlich ein Lied davon singen.