Den Job verloren

Sharda Czeszejko, 30

"Ich bin durch die Betreuungslücke arbeitslos geworden. 25 Stunden die Woche habe ich als Sekretärin gearbeitet. Mein Chef war ohnehin schon genervt, weil ich öfter fehlen musste. Die Kita hatte in den Monaten vorher immer mal spontan geschlossen, und mein Mann konnte durch seine Arbeit als Einzelhandelskaufmann im Schichtdienst nicht viel abfangen. Als ich nach unbezahltem Urlaub fragen wollte, um die Betreuung neu zu regeln, hatte mein Chef die Kündigung bereits geschrieben. Ich habe mehr als 20 Kitas durchtelefoniert, wurde ausgelacht und abgewimmelt – die Wartelisten seien voll. Eigentlich hätte ich Anspruch auf Arbeitslosengeld, aber weil ich mein Kind nun zu Hause betreue, verweigert mir das Arbeitsamt die Leistung. Zur Begründung heißt es, ich müsste sofort in der Lage sein, einen neuen Job anzutreten. Eine Lösung wäre eine Nanny. Die bezuschusst das Jugendamt aber nur, wenn ich arbeite. Es ist ein Teufelskreis. Am meisten tut mir meine Tochter leid. Der Kita-Betrieb ging ja mit der Hälfte der Kinder weiter. Wir fahren oft mit dem Rad vorbei, sie ruft dann: Mama, Kita! Wie soll sie verstehen, warum sie nicht zu den anderen Kindern darf?"

Ohne Unterstützung

Selma Wels, 40

"Statt Vollzeit in einer Führungsposition zu arbeiten, bin ich zurzeit auf dem Spielplatz, beim Kinderturnen, Lego- und Briospielen. Ich musste ein Jobangebot ausschlagen, weil wir für unseren zweijährigen Sohn erst ab August einen neuen Kita-Platz gefunden haben. Unterstützung für den Übergang bekommen wir bisher nicht vom Jugendamt, obwohl das angekündigt war. Ich habe vorher frei gearbeitet und versuche das reduziert weiterzumachen. Anders könnten wir uns das Leben in Berlin gar nicht leisten."

Notlösung Nanny

Caroline Seifert, 32

"Es tut mir weh, dass mein Dreijähriger Sätze sagt wie: Ich habe in der neuen Kita keine Freunde. Natürlich, er wurde ja komplett aus seinem Umfeld rausgerissen. Wir haben zwar mit viel Glück eine neue Kita gefunden, in der es ihm jetzt schon viel besser geht, weil einfach genügend Personal vorhanden ist. Trotzdem: Die Gefühle der Kinder spielten bei der ganzen Geschichte kaum eine Rolle. Hauptsache, eine Betreuung auftreiben. Wir hatten auch diesen Druck und haben ihn immer noch. Denn für meine einjährige Tochter finden wir vor Oktober nirgendwo einen Platz. Ich arbeite in einem Tourismusbüro, mein Mann ist selbst Erzieher. Momentan bleibt er zu Hause und gewöhnt die Kleine an eine Nanny, mit der wir die Zeit überbrücken werden. Die Kinder an zwei Orten, Betreuungszeiten, die nicht richtig zu unseren Arbeitszeiten passen – das ist alles andere als optimal."

Irre Suche

Daniela Hanuschka-Kunze, 35

"Ich musste echt heulen, als die Kündigung kam. Man ist ja völlig angewiesen auf die Kita. Ich bin Projektmanagerin im Marketing und arbeite 24 Stunden die Woche, mein Mann arbeitet voll. Er war auch wütend, aber ich war es, die wie eine Irre rumtelefoniert und Kitas abgeklappert hat. Ich habe das auch bei den anderen Familien beobachtet – die Betreuung neu zu regeln war ganz klar ein Frauenthema. Wir hatten großes Glück und haben einen Platz in einer tollen Einrichtung bekommen, die für uns gut zu erreichen ist."