Waldbrände hat es in Kalifornien immer wieder gegeben. Langjährige Bewohner von Yuba County im Vorgebirge der Sierra Nevada wissen das. Doch in jüngster Zeit erleben sie Brände von neuer Intensität.

Die Feuerwalze vom 8. Oktober 2017 raste über Hügel voller Blaueichen, Kiefern und Chaparral-Büsche. Sie ließ das Wasser in Pools verdampfen und Fenster bersten. Das war neu für Julie LaBudde. Von den baumdicken Balken, aus denen sie und ihr Mann ein Blockhaus gebaut hatten, blieb nicht mal mehr Asche übrig. Ein Becher überlebte, sonst blieb der 73-Jährigen nur das graue T-Shirt am Leib.

Vier ihrer Nachbarn starben, 264 Gebäude hat das Feuer im Ort zerstört. LaBudde lebt nun in der Garage einer Nachbarin, deren Haus wie durch ein Wunder unversehrt blieb. "Ich hatte Glück und bin mit dem Leben davongekommen", sagt sie weinend.

Tief hängende Stromleitungen hatten die Tragödie ausgelöst. Sie waren durch die Windstöße aneinandergeraten, und der folgende Funkenflug setzte trockenes Gebüsch in Brand. So steht es im Abschlussbericht von Cal Fire, der staatlichen Feuerwehr von Kalifornien.

Die Stromleitungen gehörten dem Energieunternehmen Pacific Gas and Electric – besser bekannt als PG&E. Dort wusste man schon von der Gefahr. Nach Analysen von Experten war dieser Waldbrand einer von mehr als 1500, die durch PG&Es Transmissionsleitungen und Hochspannungsmasten seit 2014 ausgelöst worden waren. Allein an jenem 8. Oktober starben neun Menschen bei sechs weiteren solchen Bränden. Die Flammen zerstörten auch Tausende Eigenheime in Sonoma County im Herzen der kalifornischen Weinanbauregion.

Im Januar holte die Katastrophe den Konzern ein: Er musste Insolvenz anmelden.

Das ist nicht nur die bisher größte Pleite einer börsennotierten Elektrizitätsgesellschaft im Land. PG&E ist einer der größten privaten Stromversorger des Landes, mit 16 Millionen Kunden. Es ist auch die erste Milliardenpleite, bei der der Klimawandel eine führende Rolle spielt. Zwar hatten solche Stromkabel auch früher schon den einen oder anderen Waldbrand ausgelöst, doch da belief sich der Schaden jeweils auf Millionen, nicht auf Milliarden.

Durch den Klimawandel aber haben sich die Stromtrassen in eine tödliche Gefahr verwandelt. Sie durchkreuzen in Kalifornien, über Tausende Holzmasten gehängt, die Berge und Täler, und dort ist es in den vergangenen Jahren immer trockener geworden. 2017 war der heißeste Sommer, den Meteorologen für Kalifornien jemals aufgezeichnet haben.

Die potenzielle Schadenssumme, für die PG&E wegen der Brände allein 2017 und 2018 belangt werden könnte, beläuft sich auf mehr als 30 Milliarden Dollar. So hat es der Konzern selbst ausgerechnet. Zum Vergleich: Die Ölpest, die durch die Explosion auf der Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko ausgelöst wurde, kostete den Betreiber BP rund 62 Milliarden Dollar.

Eine Insolvenz bedeutet nicht, dass PG&E nun vom Erdboden verschwindet – er macht weiter und muss versuchen, wieder aus den Miesen zu geraten. Vor allem tobt jetzt ein Streit zwischen Anlegern, Stromkunden und Volksvertretern: Wer übernimmt die Kosten?

Bald dürften solche Konflikte nicht mehr nur in Kalifornien ausgetragen werden. Für andere Unternehmen ist PG&E ein flammender Vorbote schlimmer Zeiten: Das Beispiel zeigt, dass die Risiken und Kosten des Klimawandels nicht irgendwann in der Zukunft entstehen. Sie können sich schon heute in den Bilanzen niederschlagen. Überflutungen, Stürme und extreme Temperaturen verursachten nach Daten der Rückversicherer 2018 weltweit Schäden in Höhe von 155 Milliarden Dollar. Viele Wissenschaftler glauben, dass der Klimawandel so etwas verstärkt.