Gern würde das Unternehmen das erhöhte Risiko auf den Steuerzahler abwälzen. Nach kalifornischem Recht ist die Elektrizitätsgesellschaft nämlich bislang auch dann für den Schaden verantwortlich, wenn dem Unternehmen kein direktes Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Es genügt, dass seine Trassen oder Transformatoren den zündenden Funken liefern. PG&E will die Haftung auf nachweisliches Fehlverhalten begrenzen. Dazu ist eine Gesetzesänderung notwendig, auf die Kaliforniens Stromerzeuger schon lange drängen.

Im vergangenen Jahr genehmigten Kaliforniens Volksvertreter immerhin, den Schadenersatz für 200 der Waldbrände aus dem Jahr 2017 über höhere Preise auf die Stromkunden umzulegen. Falls das auch mit den Brandschäden von 2018 passiert, werden die Strompreise noch einmal deutlich steigen. Für zukünftige Waldbrände wäre dadurch noch nicht vorgesorgt.

Es gibt inzwischen Bürgerinitiativen, die sich für die Zerschlagung PG&Es und für lokale Stromerzeugung einsetzen. In Oakland etwa ist vor einigen Monaten der Bürgerstrom einer solchen Initiative ans Netz gegangen. Doch außerhalb der Metropolen würde das niemandem helfen. Dabei haben die Waldbrände auch deshalb mehr Opfer gefordert und höhere Schäden verursacht, weil mehr Menschen in zuvor nur spärlich besiedelte Gebiete gezogen sind. Über sieben Millionen Immobilien in dem Bundesstaat befinden sich inzwischen in Gegenden mit hoher Waldbrandgefahr, so eine Studie der Villanova University aus dem vergangenen Jahr.

Die Foothills in Yuba County, wo das Feuer 2017 tobte, sind dafür ein klassisches Beispiel. Cheryl Syring, eine ehemalige Flugbegleiterin, hat ihr Stadtleben für die Stille und ungetrübte Sonnenuntergänge aufgegeben. Sie hat ein neues Haus gebaut: genau an der Stelle, wo ihr altes stand. Finanziert hat sie den Neubau mit dem Geld, das ihre Feuerversicherung für den Verlust des abgebrannten Heims auszahlte.

Versicherer zahlten allein für die Waldbrände, die 2017 in Kalifornien wüteten, zwölf Milliarden Dollar an ihre Kunden aus. Das ist eine Rekordsumme, die nach bisherigen Schätzungen 2018 mindestens ebenso hoch ausfallen dürfte. Immer häufiger lehnen Versicherungen von vornherein ab, Waldbrand-Risiken zu decken. Die Zahl der Hausbesitzer, die keine Police mehr bekommen, hat sich seit 2010 verdreifacht. In solchen Fällen springt der staatliche Versicherer FAIR ein. Doch die Prämien dort sind hoch und die Deckung ist weniger umfänglich als bei privaten Anbietern.

Immobilien verlieren dadurch an Wert. Banken gewähren ohne Versicherung keine Kredite. Gewerbetreibende wandern an sicherere und billigere Standorte ab. "Damit gerät der breitere Wohlstand Kaliforniens in Gefahr", sagt der Klimarisko-Experte Wara.

Eine Verstaatlichung von Stromerzeugern wie PG&E oder anderen privat betriebenen Einrichtungen wäre keine Lösung: Sie würde das Problem nur verlagern. Städte und Gemeinden müssten dann regelmäßig für die Schäden durch Waldbrände, Stürme oder Überflutungen aufkommen. Angesichts chronisch angespannter öffentlicher Haushalte könnte das eine kommunale Pleitewelle auslösen. Anfang April warnte der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock wegen solcher Szenarien vor neuen Risiken bei Schuldverschreibungen: Anleger in dem 3,8 Billionen schweren Markt für amerikanische Kommunalobligationen müssten sich heute schon auf Verluste durch Folgen des Klimawandels einstellen.

Zuletzt hatten Hedgefonds einen Rettungsvorschlag für PG&E unterbreitet. Zu ihnen gehörte Elliott Management; die New Yorker Fondsmanager sind auch außerhalb der Wall Street für die Unerbittlichkeit bekannt, mit der sie etwa die Schulden von Argentinien eintrieben. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete, dass Elliott PG&E neues Kapital geben würde. Bedingung sei, dass Steuerzahler und Stromkunden für vergangene und künftige Waldbrandschäden aufkommen.

Es ist die undankbare Aufgabe von Kaliforniens Gouverneur Gain Newsome, für das Problem eine Lösung zu finden. Vergangene Woche hat er einen ersten Vorschlag gemacht, der die Idee der Hedgefonds aufgreift. Auch die Haftungsbeschränkung will Newsom einführen.

PG&E begrüßte den Vorschlag des Gouverneurs. Während die ersten Aktivisten gegen das Rettungspaket protestierten, legte die Aktie des eigentlich bankrotten PG&E an der Wall Street um über 20 Prozent zu.