Treffen sich ein australischer Bergbauunternehmer, ein Schusswaffenhersteller und mehrere Bürgermeister auf einem Gebirgszug in Österreich. Sagt der Bergbauunternehmer: Hier will ich Rohstoffe fördern. Darauf der Waffenhersteller: Zu Anfang darfst du meine Wege nutzen, doch wenn es ernst wird, nicht mehr. Und die Bürgermeister: Den Dreck wollen wir nicht, aber die Arbeitsplätze könnten wir gut gebrauchen.

Sehr vereinfacht stellt sich so die Lage auf der Koralpe in Österreich dar. Der Rohstoffinvestor ist Tony Sage, ein reicher Australier mit einschlägigen Erfahrungen. Der Waffenhersteller ist Gaston Glock, der gerade sein Herz für den Umweltschutz entdeckt hat. Die Bürgermeister der Orte Wolfsberg und Frantschach-Sankt Gertraud wünschen sich die Arbeitsplätze, doch nicht um jeden Preis. Mehrere Gemeinden bangen um ihr Trinkwasser, das sie von der Koralpe beziehen.

Es sieht nicht so aus, als würden sich alle bald einig sein. Abseits der Öffentlichkeit eskaliert die Situation, sodass inzwischen die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Firma von Glock die Australier vor Gericht zerrt. Den Streit im Grenzgebiet zwischen Kärnten und der Steiermark könnte man als Provinzposse abtun. Doch geht es dabei um die unabhängige Versorgung Europas mit Rohstoffen. Bleibt die Frage: Ist es das wert?

Der Schatz lagert hinter einem eisernen Tor auf mehr als 1000 Meter Höhe, umringt von hohen Tannen und steilen Hängen. Dietrich Wanke, Chef des Bergbauunternehmens European Lithium, schließt auf und stapft in Gummistiefeln voran. Die einzige Lichtquelle im Stollen sind kleine Handlampen. Nach wenigen Metern richtet Wanke den Lichtkegel an die Decke, und zum Vorschein kommt eine glänzende metallhaltige Ader: Lithium.

Das chemisches Element Lithium ist zurzeit sehr begehrt: Es wird gebraucht für Batterien für Mobiltelefone, Laptops und in großer Menge für die Akkus von Elektroautos. Anders gesagt: ohne Lithium keine Energiewende. Weltweit werden Vorkommen von rund 50 Millionen Tonnen vermutet (siehe Grafik). Die größten Reserven gibt es in Argentinien, Bolivien und Chile. Der Abbau ist extrem wasserintensiv, das Wasser dort aber knapp. Problematischer als der Umweltschutz sind teils nur die Arbeitsbedingungen.

Nachgewiesene Lithium-Vorkommen auf der Welt

In Millionen Tonnen (Zahlen gerundet)

Quelle: National Minerals Informations Centre, Februar 2019 © ZEIT-Grafik

Bis 2025 soll sich die Nachfrage nach Lithium fast verdoppeln. Firmen auf der ganzen Welt streiten sich um die Vorräte. Bei Volkswagen, BMW oder Infineon sind sie darauf angewiesen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mahnt: "Die deutsche Industrie tut gut daran, sich ihren Bedarf frühzeitig zu sichern, um nicht in Rückstand und Abhängigkeit zu geraten."

In Europa ist Lithium rar. Das National Minerals Information Center der USA verortet rund 1,3 Millionen Tonnen in Tschechien, 1 Million Tonnen in Serbien, weitere 400.000 Tonnen in Spanien, rund 180.000 Tonnen in Deutschland, rund 75.000 Tonnen in Österreich. Eine vorläufige Machbarkeitsstudie bescheinigt dem Projekt in Kärnten mehr als 50.000 Tonnen Lithium. Die Australier sprechen von 110.000 Tonnen.

Eine endgültige Machbarkeitsstudie soll dieses Jahr vorliegen, ab 2021 sollen die Lastwagen rollen. 400 Millionen Euro will European Lithium investieren. Der lokale Chef Wanke rechnet bereits: "11.000 Tonnen batteriefähiges Lithium-Hydroxid können wir hier jedes Jahr produzieren. Bei 50 Kilogramm pro Elektroauto können wir Millionen bestücken."

Doch nicht alle sind begeistert.