Hier erklären wir an Begriffen, wie der Kunstmarkt funktioniert. Diese Woche:

1. Eine Verschwörung zu Beginn

Sie gehört zu jeder Verschwörungstheorie: die ominöse Namensliste, die manchen verweigert, was anderen zugebilligt wird – die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die Mitgliedschaft in einem Club, der Besitz einer Sache. Auch auf dem Kunstmarkt ist diese Liste gefürchtet. Wer auf ihr steht, kann keine Werke erwerben, obwohl es ihm an Geld dafür nicht mangelt.

2. Ein Monopol als Ziel

Wer auf die Liste kommt, bestimmt nicht etwa das Ideal des Guten und Schönen als Basis für einen Kunsthandel. Auch nicht die politische Einstellung eines Käufers. Es geht um ein Monopol. Um die – andere ausschließende – Möglichkeit zu bestimmen, was ein Werk kostet, wo es gezeigt wird, wer es besitzen darf. Und um das ambivalente Verhältnis von Künstler und Galerie. Die Galerie als kommerziell versiertes Unternehmen verspricht, den Künstler wirkungsvoll auf dem Kunstmarkt zu positionieren. Der Künstler verpflichtet sich dafür, seine Werke nur über die Galerie – und keineswegs direkt aus dem eigenen Atelier – in den Handel zu bringen.

3. Der Wettbewerb als Problem

Ein wichtiges Moment ist die Stabilität der Preise. Auf dem Primärmarkt ist das kein Problem. Aber die Sache sieht ganz anders aus, wenn der neue Besitzer kurz darauf das Werk in eigener Regie zur Auktion (Sekundärmarkt) gibt und einen Erlös akzeptiert, der den Galeriepreis deutlich unterschreitet. Damit entsteht bei anderen Sammlern der Eindruck, die Galerie hätte sie übervorteilt, weil nun das, was sie von demselben Künstler besitzen, in der Wahrnehmung des Marktes deutlich weniger wert sei.

4. Eine geheime Verabredung als Lösung

Die Galerien versuchen sich gegen solche Unwägbarkeiten abzusichern, indem sie den Käufer verpflichten, das Bild mindestens ein halbes oder ein ganzes Jahrzehnt zu halten und es dann zuerst der Galerie zum Rückkauf anzubieten. Mit solchen Verabredungen bewegen sie sich allerdings auf dünnem Eis, weil Preise und Bewertungen auf dem Kunstmarkt eine eigene Dynamik entwickeln und derartige Bedingungen juristisch fragwürdig sind, wie Prozesse in den USA zeigen. Also führen Galerien wie Künstler schwarze Listen mit den Namen derer, denen sie nichts verkaufen, weil sie sie als unsichere Kantonisten, als Spekulanten oder als sogenannte Art-Flipper einschätzen, die ihnen die Preise verderben.