Es ist schon später Sonntagabend, als Halil Simsek die Tür eines linken Kulturzentrums auf St. Pauli öffnet und zum Interview bittet. Simsek ist einer von wenigen in der linksradikalen Szene Hamburgs, der unter seinem echten Namen auftritt. Der 33-Jährige führt in einen Raum mit einer Bar, an der Wand prangen Wörter in Frakturschrift: "Revolution", "Klassenkampf" und "Feminismus". Simsek gehört zum Roten Aufbau Hamburg, einer Gruppe mit marxistisch-leninistischen Wurzeln, die sich als "antiimperialistisch" versteht. Traditionell ist dies die Selbstbezeichnung einer von mehreren Strömungen der radikalen Linken. Seit ein Spezialkommando der Polizei die vorherigen Räume der Organisation gestürmt hat und der Vermieter daraufhin kündigte, residieren Simsek und seine Leute hier.