Beschäftigt man sich mit der Frage, wie heute geheiratet wird, dann will man, als der moderne, aufgeklärte Mensch, für den man sich hält, im Grunde sofort den Kopf auf den Schreibtisch fallen lassen, vielleicht sogar ein paar Mal hintereinander. Da man aber weiß, dass das falsch wäre (freie Gesellschaft, jeder darf hier heiraten, wie er will et cetera) und vielleicht sogar arrogant, setzt man sich stattdessen gerade hin, beschäftigt sich weiter und gelangt dabei relativ unkompliziert zu folgendem Befund: Trotz fortschreitender Gleichstellungsbemühungen und dem gesellschaftlich immer breiter akzeptierten Bestreben, so etwas wie faire Verhältnisse zwischen Männern und Frauen zu erreichen, trotz eines gesellschaftlich immer breiter rezipierten feministischen Diskurses (T-Shirts mit "The future is female" gibt es bereits ab zehn Euro), benehmen sich Frauen und Männer am Tag der Hochzeit, ihre Geschlechterrollen betreffend, auffallend traditionell – und zwar auch solche, die sich ebenfalls für modern und aufgeklärt halten.