1. Raritäten

Manchmal sind die Rahmen wertvoller als die Bilder – zumindest wenn sie alt, echt und kunstvoll geschnitzt sind. Die 169.250 Pfund, die das Auktionshaus Christie’s 2008 für einen Spiegel aus der Zeit Georges II. um 1745 erzielte, galten nicht dem verblassten Glanz des Glases, sondern dem historischen vergoldeten Holzrahmen der Zeit mit Pan und Syrinx, Wassergöttern und Delphinen. Für Vincent van Goghs Landschaft unter einem stürmischen Himmel, die Sotheby’s 2015 für 54 Millionen Dollar verkaufen konnte, wurde sogar ein spezieller Rahmen gefertigt: 200 Arbeitsstunden und 48.000 Dollar wurden investiert.

2. Aschenputtel

Rahmen seien die "Aschenputtel der Kunstwelt", so heißt es gelegentlich. Doch das akzeptiert das Arp-Museum in Rolandseck nicht ohne Weiteres. Da der amerikanische Sammler Mark Fehrs Haukohl nicht nur ein Faible für die barocke Malerei in Florenz hat, sondern sich auch für ausgefallene Rahmen zu begeistern vermag, gehen in der aktuellen Ausstellung Im Lichte der Medici – sie läuft noch bis zum 8. September – die Beischriften der Werke wiederholt auf Besonderheiten der Rahmen ein.

3. Sansovino

In der Hochrenaissance, gewissermaßen als Vorahnung des Barock, wuchern oft Girlanden von Blättern und Früchten oder Voluten mit realen und fantastischen Tieren auf den Rahmen – und konkurrieren mit dem gemalten Bild. "Sansovino-Rahmen" werden sie in Anspielung an die Stuckdekorationen des venezianischen Architekten Jacopo Sansovino genannt. In Rolandseck rahmt ein aufwendiger "Sansovino-Rahmen" das Bildnis des Giovan Carlo de’ Medici von Justus Sustermans mit Blüten-Festons, kleinen, wappenförmigen Zwischenstücken und Putti. Er könnte sich durchaus als Solist sehen – und natürlich auch handeln lassen.

4. Flammleisten

Im 17. und 18. Jahrhundert entfalten die Rahmen dann nicht mehr ein solches Eigenleben. Obere und untere, rechte und linke Seite waren gleichartig ornamentiert. Beliebt waren nun die – meist schwarzen – Flammleisten (auch Rumpelleisten genannt) mit ihren typischen kleinen Wellenlinien. Aber auch da gibt es aufwendige Beispiele, wie die in fünffach gestaffelte Flammleisten gefassten Gemälde des Apollo und St. Sebastian von Onorio Marinari (um 1690) zeigen. Raritäten sind solche historischen Rahmen allemal. Denn gegen das "Umrahmen" entsprechend dem jeweiligen zeitgenössischen Geschmack waren und sind Kunstsammlungen bis heute nicht gefeit.