Dass der Frühling kommt, kann man jetzt gar nicht mehr übersehen. Überall blühen Narzissen, Pappeln strecken ihre Blätter in die Sonne. Und Zugvögel kommen zurück aus ihren Winterquartieren. Einer der ersten Rückkehrer ist jedes Jahr der Kranich.

Vielleicht hattest du schon einmal Glück und konntest ihn sehen. Der Vogel ist ungefähr so groß wie ein Storch, hat graues Gefieder, einen schwarz-weißen Kopf und lange Beine. Schon wenn es noch kalt ist und der Frühling weit entfernt scheint, kann man Kraniche hören. Ihr Ruf klingt wie ein Trompeten. Er ist über weite Strecken zu hören. Die Kraniche unterhalten sich so miteinander.

Das Konzert der Kraniche ist ein sicherer Bote des Frühlings. Lange allerdings war es hier kaum zu hören. Denn für die großen Vögel war Deutschland einige Zeit kein guter Ort. Manche wurden auf ihrer Reise nach Süden abgeschossen und gegessen. Manche, die zurückkamen, fanden keinen Platz, um ihre Eier auszubrüten. Kraniche mögen Feuchtgebiete. Doch viele Moorflächen wurden im vergangenen Jahrhundert zu Äckern und Feldern gemacht. Für Kraniche war da kein Platz mehr. In den Siebzigerjahren gab es deshalb nur noch 800 Kranich-Paare in Deutschland. Als das den Menschen aufgefallen ist, wurden einige Naturschutzgebiete eingerichtet, in denen die Kraniche brüten oder rasten können.

Das hat gut funktioniert. Heute gibt es zehnmal so viele Kraniche wie in den Siebzigern: 8000 Brutpaare. Dass sich die Art so gut erholt hat, ist auch für andere Vögel gut.

Kraniche waren sehr selten. © Justus de Cuveland/imagebroker/Okapia

Denn nicht nur Kraniche fliegen im Winter in den Süden. Überall auf der Welt machen sich im Herbst und Frühling Vögel auf den Weg. Sie wollen dort überwintern, wo sie Nahrung finden können. Zwar hat jede Vogelart eigene Gewohnheiten, wann und wie genau sie fliegt. Trotzdem müssen sich alle mal ausruhen. Wenn also ein Vogelrastplatz besonders geschützt wird, weil dort der Kranich haltmacht, profitieren davon alle anderen Vögel, die da ebenfalls einen Stopp einlegen.

Der Kranich ist aber nicht das einzige Tier, das es nun wieder häufiger gibt. Der bekannteste Rückkehrer ist der Wolf. Wölfe gab es sehr lange nicht in Deutschland. Manche Menschen hatten Angst vor ihnen. Sie wollten nicht, dass sie ihre Schafe, Ziegen oder Kühe fressen. Deshalb erschossen sie alle Wölfe und rotteten sie hierzulande aus. Seit Anfang der Neunzigerjahre hat die Europäische Union aber den Abschuss verboten. Der Wolf kommt langsam zurück. Heute gibt es hier knapp 1000 Tiere.

Es gibt auch einige Menschen, die das nicht gut finden. Sie glauben, dass der Wolf hier zu lange nicht mehr heimisch war und deshalb Probleme bereite. Andere sind aber froh, dass der Wolf zurück ist. Denn er erfüllt eine wichtige Funktion. In der Wildnis fressen Wölfe nämlich andere Tiere, etwa Rehe oder Wildschweine. Davon gibt es in Deutschland sehr viele. Der Wolf sucht sich unter ihnen vor allem alte, kranke und schwache Tiere aus. Das sorgt dafür, dass der Bestand der Beutetiere gesund bleibt.

Der Wolf war bei uns ganz ausgerottet. © Stefan Huwiler/imagebroker/Okapia

Ein bekanntes Beispiel aus den USA hat gezeigt, dass Wölfe so sogar ganze Landstriche verändern können. Dort lebten viele Hirsche in einem Nationalpark. Sie hatten keine Feinde. Dann siedelten Naturschützer Wölfe an. Die Wölfe jagten die Hirsche. Die wurden mit der Zeit vorsichtiger und versteckten sich öfter. Deshalb hatten sie weniger Zeit, um Büsche und Bäume anzuknabbern, und die konnten nun höher wachsen als zuvor. Wo lange eine Wiese war, wuchs bald ein Wald.