Aus dem Kleiderschrank ihres Vaters hat Mirai sich ein blaues Hemd stibitzt. Das liegt nun auf dem Boden ihres Zimmers. Die Zwölfjährige braucht es gleich als Hintergrund für ein Foto. Das Hemd hat nämlich eine ähnliche Farbe wie das Cover des Buchs Dumme Ideen für einen guten Sommer . Darin geht es um Edie, die ihre Ferien mit der peinlichen Familie in einer Kleinstadt in Florida verbringen muss, um sich um das Haus der verstorbenen Großmutter zu kümmern.

Dieses Buch hat Mirai gerade gelesen, nun will sie im Internet darüber schreiben. Die Zwölfjährige lebt in Berlin und hat seit einem guten Jahr ein eigenes Blog. Lass mal lesen! heißt es, und dort dreht sich alles um Bücher für Kinder und Jugendliche. Ihre Leser spricht Mirai auch ganz direkt an: "Hallo ihr Lieben auf den abschließenden Teil der Magic Academy-Reihe habe ich seit letztem Herbst gewartet (...) Wenn Ihr Magie und Fantasy mögt, kann ich Euch diese Reihe wirklich empfehlen"

Damit Mirais Lesetipps im Internet auffallen, macht die Buch-Bloggerin zu jedem ein Foto. Manchmal sieht man nur das Cover, manchmal verziert sie es noch. So wie heute. Auf dem Hemd ihres Vaters liegt inzwischen das Buch, unter das sie noch einen fliederfarbenen Tischuntersetzer geschoben hat. Die Farbe passt so gut zur Schrift des Buchtitels, findet Mirai. Drum herum hat sie einige Blüten und Blätter gelegt. Außerdem kommen ein Playmobil-Ruderboot, ein Plastikflamingo und ein Gummikrokodil zum Einsatz. All das ist auf dem Cover gezeichnet. Nun sieht es fast so aus, als würden sie aus dem Buch herauswachsen. "Wie ich die Bilder gestalten kann und was als Hintergrund geeignet ist, habe ich mit der Zeit gelernt", sagt Mirai. Wenn sie einmal die Idee hat, wie sie ein Buch fotografieren will, geht es schnell. Nach einer Viertelstunde ist das Bild fertig. Das ist gut so. Eigentlich geht es Mirai ja ums Lesen. Und dafür braucht sie viel Zeit.

Sie hat immer ein Buch dabei. Sobald sie nur ein klein wenig Zeit hat, liest sie; manchmal sogar in der Pause auf dem Schulhof. Damit hat sie auch schon ihre Freundinnen angesteckt. "Wir sitzen dann oft alle nebeneinander, und jede hat ihre Nase in einem anderen Roman", erzählt Mirai.

In ihrem Zimmer steht ein großes Regal mit einigen Hundert Büchern. Insgesamt hat sie schon an die Tausend gelesen, schätzt sie. "Allein in diesem Jahr waren es bisher 50", sagt Mirai. Im Monat liest sie etwa 10 bis 20 Bücher. "Je nachdem, ob ich viele Hausaufgaben aufhabe oder noch Klassenarbeiten schreiben muss." Denn die Schule geht immer vor. Außerdem hat Mirai noch andere Hobbys: Sie geht zum Schwimmen und zum Tanzen und lernt Programmieren.

Das Lesen und die Bücher begleiten sie schon fast ihr ganzes Leben. Mirai erzählt es so: Als sie ganz klein war, hat ihre Mutter ihr abends immer vorgelesen. Dabei hat Mirai mit auf die Buchstaben geschaut, nach und nach die Wörter erkannt, und als sie zur Schule kam, konnte sie schon einige lesen. Kurz darauf hat sie ein Buch nach dem anderen verschlungen. So viele, dass ihre Eltern bald nicht mehr gewusst hätten, wo sie bloß ständig neue Bücher für ihre Tochter herholen sollten, erzählt Mirai: "Wir waren jeden zweiten Tag in der Bücherhalle."

Dann hatten ihre Eltern aber eine Idee. Sie fragten in einer Buchhandlung, ob Mirai dort die neuen Bücher lesen könnte, als Gegenleistung würde sie ihre Meinung darüber aufschreiben. Die könnten die Buchhändler dann ihren Kunden zeigen. Rezension nennt man solche Texte, in denen Bücher gelobt oder auch kritisiert werden. Der Buchladen fand die Idee gut – und so hatte Mirai bald viel mehr zu lesen. Und zu schreiben!