Mehr als die Hälfte der Klickarbeiter verdiente rund 400 Euro im Monat bei sechs Arbeitsstunden in der Woche. Es geht also um einen Nebenverdienst. Je nach Art fällt dieser allerdings ganz unterschiedlich aus. Besonders gering waren die Einnahmen etwa über die Plattform Clickworker, die unter anderem Aufträge für Produkttests vergibt. Gut 40 Prozent der Befragten gaben an, dort zwischen einem und 200 Euro im Monat zu verdienen. Tendenziell mehr Geld verdiente, wer über Airbnb vermietete oder bei Freelancer registriert war, einem Vermittler von Minijobs im kreativen Bereich.

Ab wann ist eine Plattform ein Arbeitgeber?

Die Befragten in der Studie scheinen also in keinem existenziellen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Klickarbeiter-Alter-Ego zu stehen. Mehr noch: Der Großteil der Plattformarbeiter, knapp 40 Prozent, verdient im Hauptberuf zwischen 1500 und 3000 Euro, jeder Vierte liegt sogar darüber. Schaut man sich an, welche Arbeit am häufigsten über Plattformen erledigt wird, steht an der Spitze die Vermietung von Zimmern. Vermieten kann in vielen Fällen allerdings nur, wer eine Eigentumswohnung besitzt. Immobilieneigentümer profitieren also verhältnismäßig stark von dem Spitzenreiter Airbnb.

Dabei kann man darüber diskutieren, ob Zimmervermietungen wirklich als klassische Plattformarbeit gezählt werden können (man stellt ja keine Arbeitskraft, sondern Eigentum zur Verfügung). Aber es zeigt auch, dass eine strenge Unterscheidung zwischen Online-Jobs und Offline-Jobs schwierig geworden ist. Die Grenzen verschwimmen in der digitalisierten Arbeitswelt, und das ist vielleicht die dritte Sorge, wenn es um die Zukunft der Arbeit geht. Ab wann ist eine Plattform nicht nur Vermittler, sondern tatsächlich Arbeitgeber und damit Ansprechpartner bei Fragen zu Arbeitnehmerrechten? Ist ein Klickarbeiter tatsächlich selbstständig oder nicht vielmehr angestellt? Wie kann eine einheitliche Klassifizierung aussehen – bei derart vielen Plattformanbietern in Deutschland?

Klickarbeiter in den USA

Diese Unsicherheit kommt auch in der Studie der Bertelsmann Stiftung zum Ausdruck. Zwar sind gut 60 Prozent der Befragten mit ihren Plattformanbietern zufrieden, aber die fehlende soziale Absicherung und der Konkurrenzkampf bei Plattformarbeitern, die häufig ersetzbar sind, betrachten sie als klare Nachteile. Daher wünschen sich viele eine Interessenvertretung, wie sie von vielen Klickarbeitern in den USA bereits gefordert wird.

Dort ist die Klickarbeit populär geworden, nachdem viele Menschen nach der großen Rezession 2007 ihre Jobs verloren hatten. Man nahm, was man kriegen konnte, Hauptsache, es brachte Bares in die Tasche. Was heute eine Mischung aus Hobby und Nebenjob ist, gab vielen damals immerhin eine geringe finanzielle Stabilität. Durch die Entwicklung von Apps zu digitalen Marktplätzen schien das schnelle Geldverdienen noch einfacher zu gehen. Wie wird sich die Klickarbeit also entwickeln?

Aus Sicht der Experten, die von der Bertelsmann Stiftung befragt wurden, wird die Zahl der digitalen Arbeiter mit der Digitalisierung langfristig steigen – auch wenn Plattformarbeiter erst einmal ein Randphänomen bleiben werden. Dafür spricht nicht nur der Erfolg großer Plattformen wie Airbnb, sondern auch die Veränderung der Arbeitsform: Fast 80 Prozent der Befragten betrachten flexible Arbeitszeiten als festen Bestandteil eines modernen Jobumfelds.

Die Frage ist also, wie Plattformarbeit langfristig reguliert werden kann. Denn durch die Vernetzung der Plattformen steigt auch die Gefahr des gegenseitigen Unterbietens: Gig-Worker stehen in direkter Konkurrenz zueinander, was für jeden, der den Job billiger erledigt, ein klarer Vorteil ist.