Es muss schon etwas im Argen liegen, dass man erstens so eng zusammenrückt und sich dazu noch so weit aus dem Fenster lehnt: Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte in diesen Tagen mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ein "Gemeinsames Wort". Der Titel des kleinen politischen Positionspapiers: "Vertrauen in die Demokratie stärken". Dass damit erst mal nicht mehr Teilhabe und Mitbestimmung im innerkirchlichen Bereich gemeint sein dürfte, mag man zwar kritisieren, die Brisanz des Papiers schmälert es dennoch nicht.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und sein protestantisches Pendant Reiner Anselm haben mit einem 14-köpfigen Wissenschaftsteam die gegenwärtigen gesellschaftlichen Spannungen ausgelotet und nach neuen Lösungsansätzen gesucht. Die Intention: Rechte Positionen sollen nicht weiter Themenfelder besetzen, die von der Politik und den Kirchen zu wenig gepflegt wurden. Vor der Europawahl und im Blick auf die Landtagswahlen im Herbst in einigen ostdeutschen Ländern, in denen die AfD stärkste Partei werden könnte, äußern sich die Kirchen sehr entschieden politisch. Kein Lavieren mehr, man will nicht mehr diejenigen mitnehmen, die sich nicht auf dem Boden der Grundordnung bewegen.

Stattdessen die klare Confessio: "Als Kirchen bejahen wir die Demokratie aus einer tiefen, im christlichen Glauben gegründeten Überzeugung. Die freiheitliche, rechtsstaatliche Demokratie mit ihrem unbedingten Respekt vor der Würde des Menschen und seinen unveräußerlichen Rechten bringt diesen Freiheitsimpuls des Evangeliums unter allen Staatsformen am deutlichsten zum Ausdruck."

Mit diesem unverhandelbaren Bekenntnis wird jener gesellschaftlichen Klientel eine strikte Absage erteilt, die sich von der Demokratie als Staatsform verabschiedet hat. Auch wenn diese Enttäuschten sich womöglich noch als Christen verstehen: Einen deutlicheren Unvereinbarkeitsbeschluss gibt es nicht. Der gerade erst von einem AfD-Regionalverband gepostete Facebook-Eintrag mit Jesusfigur und Slogan "Gott will es: AfD stärkste Partei im Osten" wirkt da eher verzweifelt hilflos als originell.

In diesem neuen "Gemeinsamen Wort" werden die Folgen von Finanzkrise, Digitalgesellschaft, wachsender sozialer Ungleichheit und Migration beschrieben. Dabei klingt auch Selbstkritik an. Haben die Kirchen viele Menschen mit ihren Ängsten alleine gelassen?, fragen sich die Autoren. Für die eigene Glaubwürdigkeit sollen jedenfalls Sätze sorgen wie diese: "Als Kirchen haben wir den modernen Ideen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit lange Zeit skeptisch, teilweise sogar ablehnend gegenübergestanden. Aus dieser Erkenntnis leiten wir die Pflicht ab, uns als Kirchen aktiv für Demokratie einzusetzen."

Diese Mischung aus Fehlereingeständnis und Veränderungswillen hätte sich sicher mancher schon in der Missbrauchsdebatte gewünscht.

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