Deutschland soll das Saudi-Arabien des Elektroauto-Zeitalters werden. Das ist der Plan von Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Bisher hängt der Autoverkehr am Tropf der Erdölförderer – künftig aber wird die Welt gigantische Mengen an Batteriezellen brauchen. Schon 2030 sollen Deutschland und Europa gemeinsam 30 Prozent dieses Bedarfs decken. Damit die Sache in Gang kommt, will Altmaier die erste Fabrik mit einer Milliarde Euro subventionieren. Bewerbungen gibt es – angesichts der Summe wenig erstaunlich – reichlich, bald soll entschieden werden, wer den Zuschlag erhält.

Die Idee klingt verrückt. Sie ist es auch. Gewerkschaften versprechen sich von der Batteriezellproduktion einen Ersatz für die Arbeitsplätze, die bei der Produktion von Verbrennungsmotoren und Getrieben wegfallen werden. Altmaier sieht darin eine "wesentliche Voraussetzung" für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Beides ist falsch.

Um das zu verstehen, ist ein Blick ins Innere des schweren Akkupacks nötig, der im Chassis jedes E-Autos steckt. Batteriezellen sorgen dort zwar für das meiste Volumen und Gewicht, keineswegs aber für die größte Wertschöpfung. Die entsteht vor allem bei den Lieferanten des Elektrolyts, der Kathoden, der Anoden und der Separatoren in den Zellen. Das sind hochspezialisierte Chemieunternehmen, auch deutsche. Ebenfalls lukrativ sind der komplexe Zusammenbau der einzelnen Zellen zu Modulen, ihre elektronische Steuerung und die Temperaturregelung. Auch dafür gibt es Fabriken in Deutschland und Europa.

Die eigentliche Zellproduktion jedoch, die bisher fast ausschließlich in China und Korea stattfindet, macht gerade einmal fünf Prozent der Wertschöpfung aus. Viele Arbeitskräfte werden dafür nicht benötigt, wohl aber sehr viel Energie. Und die ist fast nirgendwo so teuer wie in Deutschland. Sollte eine europäische Zellfertigung überhaupt konkurrenzfähig sein, dann bestimmt nicht hierzulande, sondern höchstens in Ländern mit billigem Strom, zum Beispiel in Schweden.

Daimler hat das erkannt und seine 2008 mit großem Tamtam eingeweihte Zellfabrik im sächsischen Kamenz, die bislang einzige in Deutschland, längst wieder geschlossen. Stattdessen hat der Autokonzern dort zwei Modulfabriken gebaut – und für 20 Milliarden Euro Batteriezellen bei asiatischen Herstellern bestellt. Auch Bosch hat seine milliardenschweren Pläne für eine deutsche Zellproduktion wieder eingestampft.

Batteriezellen werden tatsächlich das neue Erdöl, ein weltweit gehandelter Rohstoff. Doch Deutschland wird auch in Zukunft ein großer Importeur bleiben. Die Altmaier-Milliarde wird daran nichts ändern. Eine kleine Forschungsfabrik für Batteriezellen wäre sinnvoll – um die Technologie zu verstehen, voranzutreiben und Patente zu sichern. Dort wäre eine Milliarde gut angelegt. Aber das Saudi-Arabien des Elektroauto-Zeitalters wird anderswo entstehen.